Oldenburg Bald ist es so weit – ich werde Vater. Zum ersten Mal. Vielleicht bin ich es schon, wenn dieser Artikel erscheint. Mein Sohn soll Mitte August geboren werden und ich warte mittlerweile stündlich auf den Anruf meiner Frau in einer unserer Außenredaktionen. Natürlich haben wir uns schlau gemacht: Wie ist es, wenn die Fruchtblase platzt, bevor die Wehen einsetzen? Wie viel Zeit hat sie dann noch bis sie ins Krankenhaus muss? Kann ich das schaffen? Sollte glücklicherweise möglich sein. Auf Ausflüge zu weiter entfernten Zielen habe ich in letzter Zeit versucht zu verzichten.

Ein Corona-Kind

Er ist ein sogenanntes Wunschkind. Was er auch ist, ist ein Corona-Kind. Inklusive Geburts-Vorbereitungs-Kurs via Videokonferenz, vorübergehendem Einlassverbot für werdende Väter bei der Frauenärztin und Einlassverbot für werdende Väter bei der Anmeldung im Krankenhaus. So musste meine Frau einige der Termine, die man gerne zu zweit absolviert hätte, allein bewältigen. Eine Besichtigung des Kreißsaals war gar nicht möglich.

Das war alles noch zu ertragen. Was für uns nicht zu ertragen war, waren die Spitznamen, die die Runde machten. Coronator, Viroslav oder Covidio sind nur drei Beispiele. Lustig gemeint, haben sie insbesondere die werdende Mutter in Sorge versetzt, dass ein derartiger Spitzname hängen bleibt. Erst wiederholte, eindeutige Hinweise darauf, was denjenigen droht, die ernsthaft in Erwägung ziehen, einen solchen Spitznamen zu nutzen, erlösten uns von dem für uns unerträglichen Spaß.

Aufwachsen in einer Masken-tragenden Welt

Sorgen um die Umstände, die auf uns in der Klinik warten, machen wir uns indes nicht. Allerdings erfüllt uns beide der Gedanke daran, dass unser Kind in einer Masken-tragenden Welt aufwächst, auf diffuse Weise mit Unbehagen.

Das Lesen der Mimik lernen Kinder schließlich schon im Säuglingsalter. Auch wenn es eine vermutlich irrationale Sorge ist: Ich bin froh, dass Masken nur vergleichsweise selten zur Zwangs-Ausstattung gehören. Andererseits befürworte ich die Maskenpflicht da, wo sie sinnvoll ist.

Der Versuch pragmatisch zu bleiben

Die Umstände der Geburt und des Aufwachsens unseres Kindes haben sich ohne Zweifel durch die Pandemie massiv geändert. Doch wir versuchen es pragmatisch zu sehen – es ist nicht zu ändern und wir sind fest entschlossen, das Beste daraus zu machen. Ich würde jedoch lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte mir es nicht schon anders gewünscht.

Was ich mir allerdings in jedem Fall wünsche ist, dass Mutter und Kind schnell aus der Klinik nach Hause kommen. Nur als Besucher für wenige Stunden am Tag sein frisch geborenes Kind zu sehen, stelle ich mir sehr schwer vor.

Das Nest ist gemacht

Und außerdem ist zu Hause doch alles vorbereitet. Der berühmte Nestbau-Trieb, der Frauen vor der Geburt befällt, war schon in vollem Effekt. Zuletzt wurde noch mal der Boden gewischt. Nach rund 40 Wochen Schwangerschaft. „Sicher, dass du das noch machen willst? Bei 35°C?“ Aber die Hochschwangere ist immer noch gut unterwegs und von nichts abzubringen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat.

Das Nest ist also hergerichtet, das Bettchen steht, die Windeln sind gekauft. Jetzt fehlt nur noch derjenige, der es mit Leben füllt.

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