Oldenburg Wenn ich an die Rolle meiner Omas in meiner Kindheit denke, dann fällt mir unter anderem der Spruch „Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht“ ein. Mein Respekt vor dem Alter, der Lebensleistung dieser Generation war in meinen Kindertagen schon so groß, dass ich ihre Worte nicht nur befolgt, sondern geheiligt habe. Wobei, nicht immer: Eine der älteren Damen „glänzte“ einmal mit der Fähigkeit, schon an der Stimme des Sängers im Radio „einen Neger“ ausmachen zu können. Das habe ich nie gelernt, und auch das N-Wort hatte ich früh aus meinem Vokabular gestrichen.

Obwohl ich damals nie verstanden habe, warum eine Gabel gefährlich sein soll (denn die nutzte ich schon recht früh, wenn ich mich recht erinnere), hat sich die Gefährlichkeit der anderen Werkzeuge bei mir tief eingebrannt. Klar, zum Brotschmieren wurde irgendwann auch ein Küchenmesser genutzt, aber das war so scharf wie der Bauch eines Teddys, den man vorher in Butter eingelegt hatte. Auch mit einem Essens-Schieber habe ich Erfahrungen gesammelt (die gibt es immer noch, sie heißen mittlerweile „Foodpushers“). Aber der war ähnlich ungefährlich – und sah auch so aus – wie der Mundspiegel eines Zahnarztes.

Wenn Licht eigentlich Feuer bedeutet

Dass Licht gefährlich – oder zumindest sehr schmerzhaft – sein kann, wird einem Fünfjährigen freilich erst dann klar, wenn er beherzt nach einer Glühbirne greift. Und eigentlich steht „Licht“ in diesem Fall ja auch für „Feuer“ – „Messer, Gabel, Schere, Feuer – sind Kindern nicht geheuer“ klingt aber erstens blöd und trifft den Punkt nicht ganz: Denn es geht hier um die Sicherheit der Kinder!

Und die steht auf dem Spiel, wenn man kleine Finger mit spitzen Küchenmessern hantieren sieht. Nun, ich selbst habe den Umgang mit schärferem Werkzeug irgendwann gelernt. Den Angst-Express, den meine Großmütter in meinem Kopf auf Reisen geschickt haben, habe ich spätestens dann aufs Abstellgleis gestellt. Doch wie gehe ich mit meinen Kindern um? Welches Werkzeug erlaube ich ihnen? Und ab welchem Alter?

Angst vor der spontanen Bewegung

Ich gebe zu: Beim Anblick meiner Kinder und ihrer Motorik hat sich der Angst-Express plötzlich wieder in Gang gesetzt. In ihren ersten Jahren zu Recht, denn Einjährige haben nun mal die Eigenschaft, Gegenstände in ihrer Hand oft unvermittelt und mit einem ordentlichen Rückstoß auf den Tisch zu schlagen – das kann schnell ins Auge gehen. Ist die Sorge später unbegründet? Schließlich sammele ich noch heute schleunigst sämtliche Gläser ein, wenn sich mein fünfjähriger Sohn etwas weiter auf den Tisch lehnt. Die Folge von unkontrolliert ausschlagenden Ellenbogen hat er immer noch nicht ganz begriffen.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich der inneren Angst um das Wohlergehen der Kinder wahrscheinlich viel häufiger nachgegeben. Meine Frau war es, die unseren Kindern viel mehr zugetraut und sie darin bestärkt hat. Bei Kind Nr. 1 war ich noch skeptisch, aber als es sich mit fünf Jahren das Brötchen mit dem Wellenschliff selbst aufschneiden konnte, war ich überzeugt, dass meine Frau Recht hat. Der Angst-Express fuhr bei ihr wohl langsamer. Oder setzte sich gar nicht erst in Bewegung.

Wenn die Klinge sich dem Zeigefinger nähert

Bei Kind Nr. 2, das jetzt fünf Jahre alt ist, wache ich zwar immer noch mit Argusaugen, was es mit dem Messer in der Hand tut. Und wenn sich die Klinge bedrohlich dem das Brötchen haltenden Zeigefinger nähert, schreite ich schnell ein. Meistens erfolgreich. Und wenn nicht: Übung macht den Meister – der Weg dahin ist manchmal blutig.

Außerhalb der Küche hat sich der Fünfjährige übrigens schon seit über einem Jahr an den Umgang mit vermeintlich gefährlichem Material gewöhnt und hämmert und bohrt mit großer Freude auf Holz herum. Die scharfe Säge darf nur unter Aufsicht benutzt werden, ansonsten hat er freie Hand. Passiert ist bis auf einen schmerzhaften Finger bislang nichts. Meine Omas dürften sich im Grabe umdrehen.

Dies ist ein Beitrag von „Mann, Kinners!“, dem Väterblog auf NWZonline.de

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