Oldenburg Nichts bringt das Väterherz so sehr in Wallung, wie das eigene Kind weinen zu sehen. „Wer war das und wo finde ich ihn?“, zuckt es im Kopf und die Suche nach dem Schuldigen wird für kurze Zeit zum wichtigsten und wohl auch einzigen Existenzziel. So geschehen am Jahreswechsel 2019/20.

„Feiern wir doch zusammen bei uns“, hatte eine befreundete Familie mit zwei Kindern (sechs und neun) vorgeschlagen. Eigentlich eine gute Idee: Spielkameraden für das Kind, Schnaps für die Eltern. Die klassische Win-Win-Situation. Weitere Erwachsene und Kinder hatten sich ebenfalls angemeldet, so sollten es sechs Große und fünf Kleine (plus ein Baby) werden.

„Ich bin ganz allein“

Und so kam dann der Silvesterabend: Nach dem gemeinsamen Essen (was mit so vielen kleinen Mäulern auch noch eine ganz eigene Herausforderung ist) trennten sich die Gruppen dann. Die Kinder stürmten ins Obergeschoss, die ältere Generation ließ sich auf dem Sofa nieder um den mindestens 35sten „Diner for one“-Marathon ihres Lebens durchzustehen. Alles hätte so gut sein können.

Nach etwa einer Stunde meldete sich dann aber doch das elterliche Pflichtbewusstsein. Mit „Ich schau mal eben nach, was da oben so abgeht“, verabschiedete ich mich von Miss Sopie und Butler James und machte mich auf ins, so dachte ich, Kinderspieleparadies. Es lärmte auf dem Weg die Treppe hoch, doch Fritz helle Stimme vermochte ich nicht zu orten. Vielleicht macht er eine Pause? Oder schläft gar?

Nein. Während die beiden sechsjährigen Jungs „Stuntman“ auf der Treppe spielten und die neun Jahre alten Mädchen sich in ein Zimmer zum Tuscheln zurückgezogen hatten, kniete mein dreijähriger Fritz im Dunkeln vor ein paar Spielsachen und senkte betrübt den Kopf. „Ist alles in Ordnung?“, wollte ich wissen und blickte in feuchte Kinderaugen. „Ich bin ganz alleine und keiner spielt mit mir“ schluchzte mir der sichtlich deprimierte Junge entgegen.

Win-Win-Situation

Aus Sicht der anderen Kinder kein Wunder: „Der ist zu klein!“ Mein Argument, dass ich ja zuvor auch den halben Tag mit ihnen gespielt hätte, verhallte ungehört. Was also tun? Gemeinsames Spielen unter Zwang ist doch schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und so schnappte ich mir den eigenen Nachwuchs, der griff sich ein Spielzeug und wir eilten wieder nach unten, wo wir uns vor den nun schon etwas traurigen Weihnachtsbaum hockten und spielen. So hatte Fritz endlich einen Spielkameraden und ich entging, auch nicht traurig drum, dem Small-Talk zwischen Sektflöten und Ekel Alfred. Win-Win also doch.

Am kommenden Morgen konnte ich mir dann aber doch eine kleine Spitze in Richtung der altersdiskriminierenden Kinder der Gastgeber nicht verkneifen. Die nämlich wollten am ersten Tag des Jahres wieder mit mir rumhampeln und spielen, dafür bin ich bekannt und beliebt. Ich musste aber kühl antworten: „Nein, dafür seid ihr zu klein!“

Dies ist ein Beitrag von „Mann, Kinners!“, dem Väterblog auf NWZonline.de

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