Oldenburg „Mach dich mal locker“, sprach die Politik – und so ist in den vergangenen Wochen wieder mehr los in den Innenstädten, den Geschäften und Restaurants. Das sind erstmal gute Nachrichten für diejenigen, die finanziell dringend Einkünfte brauchen – und wir alle versuchen jetzt, das Beste daraus zu machen, mit Abstand, Mundschutz und was sonst noch gebraucht wird.

Besuche bei den Nachbarn sind nun auch wieder erlaubt. Und da meine Frau und ich besonders nette Exemplare dieser Spezies in nächster Nähe wissen, wollten wir sie in ihrem Garten treffen. Auf ein Bier, so wie früher. Jetzt haben wir aber zwei Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, und die sind grundsätzlich gerne mal ein wenig ängstlicher, wenn der Abend heranrückt.

Alleine im Haus? Ohne Eltern? Was der feuchte Traum eines jeden Teenagers ist, muss Fynn (5) und Eric (8) noch behutsam beigebracht werden. Tagsüber klappt das hin und wieder. Früher habe ich meinem Ältesten mal das Telefon in die Hand gedrückt, vom meinem Handy dort angerufen und während meiner kurzen Abwesenheit zum Einkaufen eine Art Liveübertragung nach Hause eingerichtet – während er fernsehen durfte.

Überhaupt, Medienkonsum. Klar, soll nicht so viel sein und das Programm (ob Musik, Bewegtbild oder Videospiele) eine Botschaft haben, Bildung vermitteln, pädagogisch wertvoll sein – aber letzten Endes erzielt nix so eine gute Betreuungswirkung wie eine Folge Paw Patrol, Spongebob oder Ninjago.

Jetzt aber abends. Die Kinder allein im Haus. Meine Frau ist zunächst skeptisch, befürchtet, dass wir gar nicht aus dem Haus kommen oder schon vor dem ersten Schluck wieder nach Hause müssen. Aber weit gefehlt: Der beste Ehemann von allen nimmt die Sache in die Hand, redet den Kindern Mut zu und lässt – nach kurzer Diskussion – Fynn sogar in Erics Bett schlafen (und sich das Versprechen geben, dass gleich die Augen geschlossen werden). Und zur Not: Schaut aus dem Fenster – da könnt ihr uns sehen!

„Was soll da schief gehen?“ Frage ich. „Sei nicht so pessimistisch, Frau.“ Sage ich. „Die Kinder sind langsam alt genug.“

Und so sitzen wir eine gute Stunde lang bei unseren Nachbarn. Wir quatschen wie in der Vorpandemie, trinken ein kühles Bier, lachen und freuen uns. Zwischendurch ein Blick in Richtung Kinderzimmer: Alles scheint ruhig zu sein. Okay, wir müssen ein wenig um die Ecke schauen, um unser Haus zu sehen. Aber alle Lichter sind aus, und wir hören auch nichts. Scheint zu laufen.

Doch dann kehren wir nach Hause zurück. Und sehen, dass überall Licht brennt. Als wir durch die Tür gehen, hören wir Fynn schon weinen. Eric begleitet ihn und sagt, dass er gerade versucht hat, uns anzurufen (mein Handy lag aber bei uns im Haus) und dass er seinen kleinen Bruder getröstet hat, aber der nicht aufhören wollte zu weinen. Durch das Fenster hätten sie uns nicht sehen können...

Hat also doch nicht so geklappt.

Was lernen wir daraus? 1. Am Abend ist alles anders. 2. Fynn ist ein toller großer Bruder. 3. Ich sollte mehr auf meine Frau hören.

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