Oldenburg Die Stimmung im Land ist aufgeheizt, die Infektionslage ist ohnehin heiß – und könnte durch die Omikron-Variante des Coronavirus zum Glühen gebracht werden. In diese Orgie an Hiobsbotschaften platzte vor einer Woche die Ankündigung der Ständigen Impfkommission (Stiko), den Covid-Impfstoff für fünf- bis elfjährige Kinder zwar nicht generell zu empfehlen, aber seine Nutzung zumindest nach ärztlicher Beratung zu ermöglichen. Und nun stehen Eltern da mit ihren Kindern, inmitten einer Pandemie, deren Höhepunkt erst noch bevorzustehen scheint – und müssen entscheiden: Kinder impfen? Ja oder nein? (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Impfexperte Leif Erik Sander: Infektion mit oder ohne Impfschutz – Eltern haben die Entscheidung)

Unsere Kinder sind sieben und zehn Jahre alt. Sie werden, wenn nichts dazwischen kommt, Anfang nächsten Jahres die Spritze bekommen. Und hier sind vier Gründe, warum:

1. Sicher schlägt Unsicher

Die Abwägung zwischen den Risiken eines Impfschadens und eines wie auch immer gearteten Schadens durch Covid-19 fällt für mich leicht aus: Der Biontech-Impfstoff bietet auch Kindern einen hervorragenden Schutz (zumindest gegen die Delta-Variante). 5 Millionen Kinder in der Altersstufe wurden in den USA bereits gegen Covid geimpft. Kein einziger schwerwiegender Fall von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen ist dabei aufgetreten.

Auf der anderen Seite steht die Krankheit Covid-19. Unsere Kinder würden sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überleben. Sie würden sie wahrscheinlich sogar ohne große Beschwerden, vielleicht sogar symptomlos überstehen. Langfristige Folgen sind aber nicht ausgeschlossen – und die möchte ich meinem Kind auch in der Theorie nicht zumuten.

Daher präferiere ich einen sicheren Impfstoff im Kampf gegen eine potenziell unsichere Krankheit.

2. Mit Blofeld-Attitüde gegen Omikron

Corona ist wandlungsfähig: Aus dem „Wildtyp“ wurde Alpha, aus Alpha wurde Delta, aus Delta wird nun Omikron. Und die Variante toppt in Sachen Ansteckungsfähigkeit alles bisher dagewesene. Wer glaubt, dass die Welle, die gerade zum Beispiel Großbritannien unter sich begräbt, an uns vorbeischwappen wird, ist naiv und hat in den vergangenen fast zwei Jahren anscheinend geschlafen.

Omikron wird irgendwann auch unsere Kinder anstecken. Was das Virus mit ihnen anstellen wird, ist noch nicht klar. Aber alleine die potenzielle Gefahr einer Virusvariante, die so clever geworden ist, dass ihr selbst Doppeltgeimpfte nur mit schwacher Gegenwehr gegenüber stehen, lässt mir die Kinder-Impfung nur noch logischer erscheinen.

Wenn Omikron an die Tür klopft, sollen unsere Kinder wie Blofeld in ihren Sesseln sitzen, die Katze streicheln und „Ich habe Sie erwartet, Mr. Bond“ sagen, statt unvorbereitet die Waffen zu strecken. Gut, der Vergleich hinkt, denn sie sollen anschließend nicht dem Virus ihr Immunsystem vorstellen und es, von nur zwei Antikörpern bewacht, in eine Zelle sperren, wo das Virus diese überwältigt und dann das Immunsystem zerstört.

3. Befreiter in den Alltag

Die Impfstoffe sind sicher, die Krankheit kann unangenehm werden – das alleine rechtfertigt in meinen Augen schon die Impfung. Bei Erwachsenen sowieso, denn hier steigt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken. Aber auch bei Kindern. Wenn sie geimpft sind, können sie etwas befreiter in ihren Alltag gehen. Schule, Freunde, Sportverein – all das funktioniert derzeit zwar auch ohne Impfschutz. Aber auch nur, weil wir hier nicht in Sachsen oder Brandenburg sind, wo die Inzidenzen bei 5- bis 14-Jährigen in Hochzeiten um die 5000 lag. Fünftausend, ihr lest richtig. Innerhalb einer Woche ist dort jedes 20. Kind mit dem Virus in Kontakt gekommen. Solche Zahlen muss man erstmal in aller Ruhe durch die noch intakten Lungenflügel atmen...

4. Der Nebeneffekt: Kinder bekämpfen die Pandemie

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Und schließlich ist da der Grund, der eigentlich keiner ist. Aber es ist ein Nebeneffekt: Ich lasse meine Kinder nicht impfen, weil sie damit einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten. Und dennoch: Sie tun es. Die Covid-Impfquote in Deutschland liegt derzeit bei bummelig 70 Prozent. Von den über 18-Jährigen sind gut 80 Prozent mindestens doppelt geimpft. Kinder könnten die Quote also wieder ein gutes Stück Richtung Herdenimmunität steigern. Das sollte eigentlich nicht ihre Aufgabe sein. Aber wenn ein Teil der Erwachsenen seinem Telegram-Kanal mehr Glauben schenkt als hochangesehenen Wissenschaftlern oder mehr Angst vor einem schmerzenden Arm oder einem Tag mit Fieber im Bett hat als vor einer potenziell tückischen, gefährlichen Krankheit – offensichtlich müssen dann doch die Kinder die Kohlen aus dem Feuer holen.

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

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