Judith Hermann (50/Bild) lebt als Schriftstellerin in Berlin und im Wangerland. Im April erscheint ihr neuer Roman „Daheim“ (S. Fischer, 21 Euro).

Frage: Frau Hermann, Sie leben abwechselnd in Berlin und im Wangerland. Wo lassen sich die Corona-Zeiten besser aushalten – und warum?

Hermann: Sie lassen sich ganz klar – und mit einem schlechten Gewissen, dass ich mir das

aussuchen darf – besser im Wangerland aushalten. Viel Himmel, wenig Menschen, an manchen Tagen scheint die Pandemie nur in der Zeitung stattzufinden. Ich habe, was Covid betrifft, keine guten Nerven. Es ist für mich viel einfacher, hier zu sein.

Frage: Lesungen machen einen großen Teil des Daseins als Schriftstellerin aus. Vermissen Sie die persönliche Begegnung mit Publikum?

Hermann: Ja und nein. Eigentlich macht doch das Schreiben einen großen Teil des Daseins als Schriftstellerin aus. Die Begegnungen mit dem Publikum sind sehr schön und bestärkend, sie sind eine wichtige Resonanz – und in gewisser Weise auch eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Das Schreiben muss man ja doch alleine machen.

Frage: Im April erscheint Ihr neuer Roman „Daheim“. Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise auf den Schreibprozess?

Hermann: Der Roman wurde wegen Corona verschoben, er hätte eigentlich schon 2020 erscheinen sollen. Für mich ergab das einen plötzlich leeren stillen Herbst – und ein unerwartetes, improvisiertes Schreiben ins Nichts hinein. Das ausgefallene Erscheinen war wie ein Brief, den man abschickt und vergeblich auf eine Antwort wartet – ein eigenartiger Zustand, manchmal schwierig, oft aber auch auf eine seltsame Weise frei.

Frage: Skizzieren Sie bitte kurz, was die Leserinnen und Leser im neuen Buch erwartet.

Hermann: Das neue Buch ist ein kurzer Roman mit offenem Ende. Vermutlich eine Liebesgeschichte. Ich habe einen großen Teil des Buches im Wangerland geschrieben, Land und Himmel sind ein Teil des Ganzen. Ich würde sagen, dass es eine leichte Geschichte ist, aber meine Vorstellungen von „leicht“ sind vielleicht eher abwegig.

Frage: Welches Buch sollte man gerade jetzt in diesen Zeiten dringend lesen?

Hermann: Man sollte an und für sich lesen. Das Handy beiseite legen, den Computer ausmachen, ein Buch aufschlagen: lesen.

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