Oldenburg Über die psychische Disposition des amerikanischen Lebensstils gab Henry Thoreau schon im 19. Jahr-hundert ein vernichtendes Urteil ab, als er schrieb, dass „die meisten Männer ihr Leben in stiller Verzweifelung leben“, weil sie ihre Fähigkeiten nicht entfalten und ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Diese Diagnose könnte ein Motto für Richard Yates’ Zeiten des Aufruhrs abgeben, seziert der Roman doch die Tristesse des amerikanischen Vorstadtlebens in den 50er Jahren und entlarvt die Vorstellung, „dass man sich aus dem wirklichen Leben zurückziehen und sich niederlassen muss, sobald man Familie hat“, als „große sentimentale Lüge der Vorstädte“.

Das Ehepaar April und Frank Wheeler, beruflich aufstrebend und gesellschaftlich anerkannt, lebt mit seinen beiden Kindern in einem Vorort New Yorks. Die durch Alkohol flüssiggehaltene Selbstsicherheit aus Sauberkeit und Nachbarschaftspflege übertüncht freilich nur die Unfähigkeit des Paares, mit seiner Beziehung und seinen beruflichen Perspektiven ins Reine zu kommen.

Frank langweilt sich in seinem Job, und April trauert einer nicht realisierten Karriere als Schauspielerin nach. Der Plan, nach Paris zu gehen, um dort ein neues Leben zu beginnen, scheitert katastrophal am Konformitätsdruck der Gesellschaft und dem Ehekrieg der Wheelers.

Das Psychogramm einer zerfallenden Ehe, in der Psychoscharmützel und Seitensprünge herrschen und in der man sich nicht liebt, sondern „auf die Schwächen des anderen“ lauert, macht dieses Buch lesenswert und zeitlos.

Die gelungene Verfilmung mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio unter der Regie von Sam Mendes bewies 2008 eindringlich die Zeitlosigkeit des Romans.

Die Autoren dieses Beitrages sind Klaus Modick (links) und Bernd Eilert. Die beiden Olden­burger Schriftsteller stellen in dieser Literatur-Kolumne 100 Meisterwerke des 20. Jahr­hunderts vor.

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