Oldenburg Dies ist ein grausames, bluttriefendes Werk, aber eins von weltliterarischer Qualität. Fern des Hochglanzmythos’ von Freiheit und Abenteuer, mit dem Hollywood die amerikanische Geschichte idealisiert hat, erzählt „Die Abendröte im Westen“ von den Indianerkriegen um 1850, von sinnloser Gewalt und Geldgier, von Massakern und Genozid. „Ganze Generationen von Indianern waren über den Kontinent gejagt worden (…) über den großen Strom hierher, in die Blut- lande des Westens. Diese Welt kannte weder Maß noch Schranke, in ihr lebten grausame Geschöpfe, Menschen von anderer Hautfarbe, Wesen, die keiner jemals gesehen hatte und die dennoch nicht fremder waren, als jedem sein eigenes Herz fremd sein konnte, ganz gleich, welche Wildnis, welche Bestie es barg.“

Das nahezu totgerittene Genre des Westerns hob Cormac McCarthy mit diesem und weiteren Romanen auf ein Niveau, das mit John Wayne und Co. so wenig zu tun hat wie „Moby Dick“ mit einer Anleitung zum Angeln.

Der dunkle Glanz von McCarthys Prosa verdankt sich einer visionären Klarsicht und enormer Sprachmächtigkeit, einem sensiblen Gespür für Landschaft und Atmo-sphäre und der Fähigkeit, Geschichten von nahezu biblischer Archetypik und existenzieller Wucht zu schaffen.

Die von einem diabolischen Ex-Richter angeführte Bande marodierender Skalp-jäger, verlorene, verdammte Seelen ohne Moral oder Religion, die zu jeder Grausamkeit bereit sind, egal in wessen Auftrag, geistern durch diese Geschichte wie apokalyptische Reiter.

Die drastische, realistische Erzählweise verschmilzt mit einer halluzinatorischen Kraft, die an Bilder des Hieronymus Bosch erinnern, an die glühende Intensität von Träumen und Albträumen.

Die Autoren dieses Beitrages sind Klaus Modick (links) und Bernd Eilert. Die beiden Olden­burger Schriftsteller stellen in dieser Literatur-Kolumne 100 Meisterwerke des 20. Jahr­hunderts vor.

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