MüNCHEN Pippi Langstrumpfs „Villa Kunterbunt“ heißt im schwedischen Original „Villa Villekulla“. Dass sich die Heldin in Stieg Larssons zweitem und fantastisch spannendem Thriller „Verdammnis“ an der Haustür ihrer Stockholmer Luxuswohnung mit dem Namensschild „V.Kulla“ tarnt, ist ein hübscher Gag und eine absolut zutreffende Programmerklärung.

Denn die 25-jährige Lisbeth Salander kann als moderne Ausgabe von Astrid Lindgrens legendärer Figur ähnlich einzigartige Dinge wie Pferdestemmen. Lisbeth ist Computerhackerin der Weltklasse, sie nietet dank blitzartiger Schnelligkeit locker männliche Anabolika-Bomben um, vertieft sich gern in knifflige mathematische Probleme. Und sie tätowiert als gnadenloser Racheengel auch schon mal Vergewaltigern eine böse Selbstbezichtigung auf den Bauch.

Lisbeth Salander gerät in Verdacht, ein Ehepaar kurz vor dessen Enthüllungen über Sklavenhandel mit jungen Prostituierten ermordet zu haben – und auch ihren Vormund, einen bösen pädophilen Anwalt, in dem die knabenhafte Figur von Lisbeth andere als Beschützerinstinkte geweckt hat. Bei der Jagd nach den wirklichen Tätern tut sie sich virtuell über ihr iBook – bei Larsson arbeiten die Guten ausschließlich an Apple-Computern – mit dem Journalisten Mikael Blomkvist von der aufrechten, kleinen Zeitschrift „Millennium“ zusammen. Sie nennt ihn sarkastisch und ein bisschen liebevoll „Kalle Fucking Blomkvist“ nach einer anderen liebenswerten Lindgren-Figur.

Mikael alias Kalle ist ein netter Schwede mit gut ausgeprägtem erotischem Appetit und noch viel mehr Stehvermögen, wenn es gegen das Böse geht. Aber dass man die 750 Seiten dieses Wälzers bis zum Ende kaum aus der Hand legen kann, dafür sorgt die einsam und immer gegen den Strich lebende Lisbeth Salander mit der Ausstrahlung einer kleinen Punkerin, dem Grips eines Einstein und einer für sie selbst lebensgefährlichen Familiengeschichte. Selten hat es auch in der üppig gedeihenden skandinavischen Krimi-Literatur eine so originelle, widersprüchliche und packende Hauptfigur gegeben.

Leser dieses atemberaubend spannenden Krimiautors werden ihre Hängematte nur verlassen, wenn es gar nicht mehr anders geht.

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