Im Sommer 1964 versammelte der Schriftsteller Ken Kesey („Einer flog über das Kuckucksnest“) eine Gruppe Gleichgesinnter, die für den legalen Gebrauch halluzinogener Drogen eintraten. In einem psychedelisch bemalten Schulbus unternahm man eine Reise durch die USA, die wohl längst vergessen wäre, hätte Tom Wolfe daraus nicht 1968 seinen Roman „The Electric Kool-Aid Acid Test“ gemacht.

Das Buch wurde mit seiner durchgeknallten Mischung aus Rockmusik und LSD, Flower Power und San-Francisco-Romantik zu einer Art Bibel der Hippie-Bewegung. (Tom Wolfe: Der Electric Kool-Aid Acid Test. Roman. Heyne TB 40621, 9,95 Euro)

Höhepunkt dieser Bewegung war 1969 das Woodstock-Festival, das mit dem legendären Auftritt des Gitarristen Jimi Hendrix zu Ende ging. „Zum aufrührerischen Symbol der ganzen Dekade avancierte Jimis feedbackschwangere Lesart der amerikanischen Nationalhymne“, wie Peter Kemper in seiner kleinen Hendrix-Biografie bemerkt. (Peter Kemper: Jimi Hendrix. Suhrkamp BasisBiographie 40, 8,90 Euro)

Aber Hendrix’ Dekonstruktion der amerikanischen Hymne war auch bereits schon der Schwanengesang auf die Ideale von Love and Peace, die zwischen Kommerzialisierung, Gewalt und Radikalisierung sukzessive zum Horrortrip wurden.

T. C. Boyles Roman „Drop City“ erzählt von einer kalifornischen Hippie-Kommune, die, von der Polizei und den argwöhnischen Nachbarn vergrault, Anfang der 70er Jahre schließlich nach Alaska emigriert, wo im Permafrost die letzten Blütenträume und Illusionen erfrieren. (T.C. Boyle: Drop City. Roman. dtv 21113, 9,95 Euro)

Auch im unruhigen Deutschland der 60er Jahre wurde die Rockmusik zum Soundtrack der Revolte, und immerhin“ hatten die Beatles (deren „Magical Mistery Tour“ übrigens auch von Ken Keseys Busfahrt beeinflusst war) in Hamburg ihre Karriere begonnen.

Zum Mythos „1968“ trugen in Deutschland nicht nur die Studentenunruhen bei, sondern auch der Hedonismus von Sex & Drugs & Rock'n Roll, der den Muff der Adenauer-Ära wegfegte. (Rudolf Großkopff: Unsere 60er Jahre. Serie Piper 5248, 8,95 Euro)

Von diesem Muff, der vom Geruch nach Schmelzkäse-ecken, Haarspray und Cevapcici geprägt war, musikalisch nach Capri-Fischern und Peggy March klang und adrett frisiert und onduliert war, erzählt unerschrocken und pointenreich das „Wirtschaftswunderkind“ des Autors Rainer Moritz. (Rainer Moritz: Ich Wirtschaftswunderkind. Serie Piper 5743, 8,95 Euro)

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