Einen Sohn lebendig bis ins Erwachsenenalter zu bringen, muss Eltern manchmal vorkommen wie ein zähes Wiederholungstraining, ein oftmals vergebliches, aber liebevolles Bemühen um Beständigkeit.“ Diese weisen Worte stammen von dem großen amerikanischen Schriftsteller Richard Ford, der unter dem Titel „Zwischen ihnen“ Erinnerungen an seine Eltern aufgeschrieben hat. Damit liefert er ein schmales, aber fulminantes Buch über die innere Struktur und Dynamik eines sehr persönlichen, aber durchaus zu verallgemeinernden Familienlebens. (Richard Ford: „Zwischen ihnen. Erinnerungen an meine Eltern“, dtv 14702, 10,90)

Um die Eltern bei der Pflege der Großmutter zu unterstützen, kehrt eine Kunststudentin in ihre Heimatstadt zurück. Die Oma erweist sich als überaus grantig, und trotz aller Liebe wünschen sich alle Beteiligten deren baldiges Ableben. Dabei brechen lange verschwiegene und verdrängte Konflikte auf, die im Familienleben chronisch sind. Mareike Schneiders Roman „Alte Engel“ erzählt diese tragikomische Geschichte mit Witz und Empathie. (Mareike Schneider: „Alte Engel“, Roman, rororo 27448, 12,-)

Großeltern sind natürlich immer wieder gern gewählte Protagonisten, wenn es darum geht, familiäre Erfahrungen zu beschreiben, die mehrere Generationen umspannen. In Laura Freudenthalers Roman „Die Königin schweigt“ versucht eine Enkeltochter, ihrer unnahbaren und verschlossenen Großmutter die Tragödien ihres Lebens zu entlocken. Und so steigen in Tagträumen und schlaflosen Nächten die Geschichten auf, die ein langes, hartes Leben schrieb. (Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt“, Roman, btb 71705, 10,-)

Eine norwegische Bauernfamilie ist zerstritten und lebt verstreut, während der Hof verfällt und nur noch als Sarglager benutzt wird. Als eine der Töchter sich von ihrem Freund trennt und auf den ehemaligen Familiensitz zurückkehrt, ergeben sich unerwartete Entwicklungen, aber auch Verwicklungen. Die wiederum ergeben leichten, gelegentlich seichten Lesestoff aus einer mehrteiligen Romansequenz. (Anne B. Ragde: „Sonntags in Trondheim“, Roman, btb 71836, 10,-)

Ein New Yorker Mutter-Tochter-Duo wird auf skurrile Weise erfinderisch, als der Ehemann und Vater stirbt. Das Erbe ist bereits verprasst, aber weil man vom liebgewordenen Luxus nicht lassen will, reisen Mutter und Sohn nach Paris, begleitet von einem Kater, den die Mutter für die Reinkarnation ihres verstorbenen Gatten hält. Als der Kater verschwindet, beginnt eine ganz und gar durchgeknallte Familiengeschichte. (Patrick de Witt: „Letzte Rettung Paris“, Roman, KiWi 1676, 15,-)

Klaus Modick über Familienbande in Romanen

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