Berlin „Ist es nur ein glücklicher Zufall, dass wir hier sind?“ An großen Fragen mangelt es Jostein Gaarders neuem Buch nicht. „Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht“ (Hanser Verlag, 128 Seiten, 16 Euro) erzählt von Albert, der erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und daraufhin in einer einzigen Nacht auf sein Leben zurückblickt, indem er es aufschreibt. Das ist zwar kurzweilig, aber stellenweise auch arg pathetisch.

„Vielleicht mache ich mir meine Gedanken stellvertretend für die gesamte Menschheit“, überlegt der Ich-Erzähler, Albert. Und das ist nicht ironisch gemeint. Er ist in das Ferienhaus der Familie gefahren, seine Frau Eirin auf Geschäftsreise in Australien, sein Sohn und seine Enkel mit ihrem eigenen Leben beschäftigt. Albert will für sie alle und sich selbst aufschreiben, was mit ihm los ist und landet dabei vor allem bei seiner Ehe.

Er erzählt, wie er Eirin an der Uni kennenlernte und sich in sie verliebte, obwohl er noch mit Marianne zusammen war – später die Hausärztin der Familie. Sie ist es auch, die ihm die todbringende Muskelkrankheit verkündet. Soll Albert seinem Leben ein Ende setzen, bevor er auf Hilfe angewiesen ist?

Aber es geht vor allem um das Verhältnis zu seiner Frau, das gemeinsame Ferienhaus, das sie schon als Studenten entdeckten. Und es geht auch darum, dass Albert seine Frau mit Marianne betrog.

„Sollte ich ,Genau richtig‘ mit drei Begriffen beschreiben, würde ich es als eine kleine Geschichte über ,Leben, Tod und Liebe‘ bezeichnen. Und müsste ich mich mit nur zwei Worten begnügen, würde ich vielleicht sagen, dass es eine ,love story‘ ist“, sagt Gaarder über das Buch. Aber auch Astrophysik spielt eine größere Rolle: „Ich wäre nicht der Autor dieses Buches, wenn diese Geschichte nicht auch nach den größten Mysterien des Lebens fragte: Was ist ein Mensch? Und was ist dieses Universum? Warum hatte der Urknall genau diese Eigenschaften und Fähigkeiten, um uns hervorzubringen?“

Der 67-jährige Norweger ist bekannt für seine kontemplativen Werke. Berühmt wurde er Anfang der Neunziger mit „Sofies Welt“. Sein neues Buch ist mehr ein Gleichnis als ein Roman. Am Ende ist es jedenfalls ein Unbekannter, der dem Erzähler in seinem Dilemma weiterhilft – mehr soll nicht verraten werden.

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