Berlin Die Entdeckung der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux (78) geht weiter. Nach „Die Jahre“ und „Erinnerung eines Mädchens“ hat der Suhrkamp Verlag jetzt erstmals auf Deutsch ihr bereits 1984 erschienenes Buch „Der Platz“ publiziert. In dem kaum 100 Seiten starken Werk schildert Ernaux die schmerzhafte Ablösung von ihrem Elternhaus und dem kleinbürgerlich-proletarischen Milieu.

Die Krämerstochter schafft wider Erwarten den Aufstieg ins Bildungsbürgertum. Befremdet schaut sie nun zurück auf das Leben ihrer Eltern, das von Mangel, Begrenzung, Scham und Angst gekennzeichnet war. Sie bewegten sich in einem fest umrissenen Milieu, das sich in Sprache, Gepflogenheiten und Werten krass von der bürgerlichen Welt unterschied.

Für die Tochter waren Grenzüberschreitung und sozialer Aufstieg eine Mischung aus Befreiung und Verrat. Das spürt man vor allem in ihrem widersprüchlichen Porträt des Vaters, das so gefangen nimmt, weil es einerseits kalt sezierend, andererseits aber auch voll Liebe und Verständnis ist. So wird dieses kleine Buch zu einer großen Lektüre.

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