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Linus Horke ist einer der „Träumer – Visionäre – Macher“, die die VHS Oldenburg vorgestellt hat.Bild: cewe studio
Oldenburg

Gesellschaft
Für Gleichberechtigung aktiv

Den Verein „VfB für alle“ hat der Oldenburger mitgegründet. Auch in der Fankurve spricht er sich offen gegen Homophobie aus.

Oldenburg Aus der eigenen Blase heraustreten, mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch kommen und dass alle gleichberechtigt leben können – das ist Linus Horke wichtig. Dafür setzt er sich ein – beruflich wie privat.

Als Sozialpädagoge arbeitet er in der Oldenburger Jugendwerkstatt. Gefördert wird dieses Projekt von der Stadt Oldenburg, dem Jobcenter Oldenburg und dem Europäischen Sozialfonds. Dort hilft er Jugendlichen, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Ich führe viele Gespräche mit den jungen Menschen und versuche, ihnen beim Überwinden ihrer Hemmnisse zu helfen“, erzählt Horke. Zu den Schwierigkeiten der Jugendlichen zählen zum Beispiel Wohnungslosigkeit, psychosoziale Probleme oder Schulden.

Arbeit mit Jugendlichen

„Ich arbeite hier mit Menschen, die sich in einer sehr spannenden Lebensphase befinden. Das ist sehr interessant und macht viel Spaß“, sagt der staatlich anerkannte Sozialarbeiter über seine erste Stelle nach dem Studium an der Uni Vechta und dem Anerkennungsjahr. Als Jugendgruppenleiter hat er zehn Jahre beim Ferienpass der Stadt Oldenburg mitgearbeitet. „Dabei ist mir klar geworden, dass ich was Soziales machen und mit Menschen arbeiten möchte“, erzählt der gebürtige Oldenburger.

Das kommt auch in seinem Engagement in der Fußballfanszene durch, die andererseits ebenfalls ihre Spuren bei dem 29-Jährigen hinterlassen hat: „Ich bin dabei seit ich 13 oder 14 bin. Dort bin ich mit sozialisiert worden. Keine Ahnung wie ich ohne die Fanszene geworden wäre.“

Fußball verbindet

Viele denken bei Fußballfans ja an Rowdys und Randale. Doch da ist noch viel mehr, findet Linus Horke: „Ich werde immer wieder gefragt, wie man stundenlang zu einem Viertliga-Spiel fahren kann. Für mich ist die Gemeinschaft der Fans wichtig. Der Fußball verbindet Menschen aus ganz verschiedenen Milieus. Auf den langen Fahrten hat man Zeit sich zu unterhalten und lernt Menschen kennen, die man sonst nicht kennengelernt hätte. So kommt man mal aus seiner Blase raus.“

Dass Fußballstadien keine heile Welt sind und es immer wieder zu Diskriminierungen kommt, ist kein Geheimnis. Dagegen setzten einige Oldenburger Fans, unter ihnen Linus Horke, schon länger bei der europaweiten Aktionswoche „Football against Rasicm“ (Fußball gegen Rassismus) jedes Jahr ein Zeichen. „Vielen von uns war es aber nicht genug, nur einmal im Jahr eine Aktion zu starten. Deshalb haben wir 2012 den Verein ,VfB für alle – gegen jede Diskriminierung‘ gegründet. Für alle, weil sich bei uns alle wohlfühlen sollen“, berichtet Horke, der seitdem zum Vorstand gehört. Mit Ausstellungen, etwa zur Rolle des VfB Oldenburg während der NS-Zeit, Vorträgen und Workshops setzen sie sich für die Gleichberechtigung aller ein.

Preis vom DFB

Für sein Engagement hat der Verein 2015 den Julius Hirsch-Preis des Deutschen Fußballbundes (DFB) erhalten. Mit dem Preisgeld von 6000 Euro wurde eine Bildungsfahrt nach Auschwitz finanziert. „Das war ein einschneidendes Erlebnis. Man kann sich ja theoretisch viel mit dem Thema befassen, aber vor Ort wird alles greifbarer. Es motiviert viel mehr, sich dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder passiert“, erinnert sich Horke.

Gegen Ausgrenzung setzt er sich auch in der Fankurve ein – und erntet damit nicht nur Begeisterung: „Bei Fußballspielen geht es emotional zu. Da rutscht jemandem vielleicht mal eine diskriminierende Beleidigung, wie ,Ey, du Schwuchtel!‘ raus. Aber es kann ja sein, dass gerade ein betroffener Mensch daneben steht, der sich dann unwohl oder ausgrenzt fühlt. Und wenn es einer sagt, dann sagen es leicht mehrere. Deshalb sollte man über sowas schon nachdenken.“

Noch viel zu tun

Zumal Homophobie ein großes Thema im Fußball ist. „Es gibt in Deutschland keinen aktiven Profi, der sich als homosexuell geoutet hat. Toni Kroos hat kürzlich in einem Podcast gesagt, dass er keinem Spieler raten würde das zu tun, weil er dann ein gefundenes Fressen für die gegnerische Fankurve sei“, so Horke. „Das kann doch nicht sein! Da haben wir noch viel zu tun.“

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