Betrifft: Berichterstattung zum Turbo-Abi, Titelseite, 31. Januar

Eltern und die Landtagsopposition üben scharfe Kritik daran, dass niedersächsische Schülerinnen und Schüler überlastet sind. Ihnen wird zu viel zugemutet. 38 Unterrichtsstunden plus Hausaufgaben pro Woche seien ein pädagogischer Irrsinn. Kultusminister Busemann weist die Kritik zurück. Sein Argument besteht in dem profanen Hinweis, dass dieser Zustand seit 2003 intensiv und aus seiner Sicht gut vorbereitet worden sei.

Nun, Herr Busemann hat Recht, ein Chaos mit Konzept ist immer noch besser als eines ohne konzeptionelle Gestaltung. Aber für die Eltern und die Lehrer ist das ein schwacher Trost. Für die Berufsgruppe der Lehrerschaft vermag ich nicht zu sprechen, aber als Familienvater von drei Kindern in den Klassenstufen 6, 7 und 9 stehe ich doch recht oft sprachlos vor dem, was der Herr Minister da meint, gut vorbereitet zu haben. Zwar ist jetzt der Wahlkampf und damit die Phase vorbei, in der die Politik regelmäßig und immer wieder die Familienpolitik entdeckt, um sie danach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Dennoch wird es aus meiner Sicht so ganz langsam mal Zeit, dass der Herr Minister Busemann versucht, den Schuss zu hören. Vielleicht sollte er auch die Ohren seines Ministerpräsidenten hinzunehmen, der mal gesagt hat, dass er es finnisch machen will. Ich hoffe, es besteht Konsens, dass bei einem Frontalunterricht in Klassen mit 30 und mehr Schülerinnen und

Schülern bei gleichzeitiger Unterversorgung in der Anzahl der vorhandenen Lehrer nicht einmal der Ansatz einer finnischen Komponente in dem wiederzufinden ist, was Minister Busemann seit 2003 gut vorbereitet haben will. (...)

Dr. Karl-Wilhelm Paschertz

Cloppenburg

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Die Einführung des Abis nach zwölf Jahren sei sorgfältig vorbereitet worden. Von wegen. Wir hatten im letzten Halbjahr 34 Schulstunden pro Woche plus zwei AG-Stunden. Dazu kommen Hausaufgaben, Referate ausarbeiten und für Arbeiten lernen. Damit endet der Schultag oft erst um 18 Uhr oder auch oft mal später.

Die zwei Millionen Euro für zusätzliche Förderstunden sind nur Verschwendung, weil man in der Schulzeit keine Zeit mehr hat, auch noch zusätzliche Förderstunden in Anspruch zu nehmen. An dem Tag, an dem man mal nur sechs Stunden hat, muss man die Hausaufgaben nachholen, die man an den Acht-Stunden-Tagen nicht geschafft hat.

Der Unterrichtsstoff, den man in vorher 13 Jahren schaffen musste, muss man jetzt in zwölf Jahren schaffen. Das ist für uns Schüler eine große Belastung. Sport und Freizeit kommen dadurch absolut zu kurz.

Henning Mester

Edewecht/Friedrichsfehn

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Ihr Artikel „Scharfe Kritik an Turbo-Abi“ vom 31.Januar sprach mir aus der Seele. Mein 14-jähriger Sohn gehört zum ersten Jahrgang, der in zwölf Schuljahren das Abitur zu absolvieren hat. Er hat jeden Tag sechs, an zwei Tagen acht Unterrichtsstunden. Nach dem Nachmittagsunterricht, der um 16 Uhr endet, muss er noch Schularbeiten machen, manchmal auch noch für eine Klausur üben. Auswärtige Schüler, die auf den Bus angewiesen sind, sind dementsprechend noch schlechter dran.

Nicht nur, dass sich die Kinder in diesem Alter im körperlichen Umbruch befinden und ohnehin schon unter schnellem Wachstum und Stimmungsschwankungen zu leiden haben, jetzt kommt auch noch der Schulstress hinzu. Obwohl mein Sohn ein guter Schüler ist, erlebe ich es oft, dass er völlig fertig und verzweifelt aus der Schule kommt, weil ihm alles zu viel wird. Er ist häufiger krank als früher.

Sportverein oder Treffen mit Gleichaltrigen sind zeitlich nicht mehr drin, ebenso bleibt keine Zeit mehr, den Unterrichtsstoff zu vertiefen oder aufzuarbeiten. (...)

Leo Weidemann

Jaderberg

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Wenn Kultusminister Busemann sagt, dass der Stoff nicht zusammengepresst, sondern verteilt worden ist, so stellt sich doch die Frage, ob in den jeweiligen Jahrgängen so viele Stunden übrig waren, oder ob früher Zeit vergeudet wurde?

Bezugnehmend auf den Jahrgang 9 möchte ich darauf hinweisen, dass im Zuge der Verkürzung auf zwölf Jahre zwar in Klasse 8 die Wochenstundenzahl im Fach Mathematik von drei auf vier erhöht, jedoch im Gegenzug die Anzahl in Klasse 9 von vier auf drei reduziert worden ist. Ich frage mich warum, wenn jetzt herauskommt, dass ein erhöhter Förderbedarf besteht.

Meiner Meinung nach war diese Folge durchaus absehbar, wenn man den gleichen Stoff auf weniger Jahre verteilt, aber die Wochenstundenzahl bei alter Höhe belässt. Sind die heutigen Schülerinnen und Schüler plötzlich intelligenter oder leistungsfähiger geworden?

Matthias Ottmann

Oldenburg

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