„Aufdringliche Küsse noch keine Straftat“, Region Oldenburger Land, 9. September

Beim Lesen und Verarbeiten konnten wir dem Grundsatz „Ohne Zorn und Eifer“ kaum folgen – um nicht zu sagen: wir sind schlichtweg empört! Wenn da alles so war, wie man dem Artikel entnehmen musste, kann man nur zu dem Schluss kommen: Der Gastronom hat sich gegenüber der jungen und als Arbeitnehmerin abhängigen Frau völlig schamlos benommen.

Die Richter des Oberlandesgerichts aber haben nach unserer Meinung sich völlig dem verschrieben, was man heute als (in jüngerer Zeit immer wieder betriebenen) Täterschutz bezeichnet und es selbst ihren Kolleg/inn/en schwer gemacht, in ähnlichen Fällen ein dem Sachverhalt entsprechendes Urteil zu fällen. Ihnen kann man da nur wünschen, sie hätten eine Tochter in dem Alter und würden eines Tages (zum Glück fälschlicher Weise) erfahren, dass dieser das widerfuhr, was hier vorlag. (...)

Dieter und Marlies Hagemeister, Oldenburg

Hier zeigt es sich wieder einmal: Alle sind vor dem Gesetz gleich, aber einige sind gleicher. Ein 16-jähriges Mädchen wird von ihrem Arbeitgeber, einem Dötlinger Gastronom, sexuell bedrängt und dieser Mann wird dann auch noch freigesprochen, weil das Gericht keine strafbare Handlung darin sieht, dass der Täter das junge Mädchen gegen seinen Willen geküsst und am Hals und Ohr geleckt hat. Das gefällte Urteil des OLG Oldenburg ist eine Ohrfeige für das Opfer und deren Eltern. So wird weiteren Taten von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche Tür und Tor geöffnet. Und der Täter lacht sich heimlich ins Fäustchen. Mein Mitgefühl gilt dem Opfer und deren Eltern.

Stefan Schrage, Huntlosen

Wenn ein Mann eine junge Frau gegen ihren Willen küsst und leckt ist „die Tat nicht ehrverletzend“ – so sehen es die obersten Richter des OLG Oldenburg. Rechtlich ist die Ehre das Maß an Achtung, das jedem unbescholtenen Menschen zusteht; sie ist der Ausfluss der in Artikel 1 unseres Grundgesetzes garantierten Unantastbarkeit der Menschenwürde und ist außerdem strafrechtlich geschützt, wenn die Ehrverletzung eine Beleidigung darstellt. Diese liegt vor, wenn eine vorsätzliche Kränkung der Ehre eines anderen geschieht. Sie kann durch Worte oder durch Tätlichkeit erfolgen. Diese Rechtsgrundlagen, die ich als Laie kenne, sollten den Herren Richtern nach ihrem langen Studium doch auch bekannt sein. Dass die Tat die Ehre der jungen Frau schwer verletzt hat, bezeugt der Nervenzusammenbruch, weitere Folgen sind offensichtlich uninteressant.

Ich bin sicher, dass die Richter anders „Recht“ gesprochen hätten, wenn deren Töchter oder Enkelinnen gegen deren Willen geküsst und geleckt worden wären.

Wo finden sich junge Frauen, die Richter küssen und am Hals lecken – deren Ehre ist dann sicherlich verletzt.

Jochen-Gerd Schulz, Oldenburg

 Leider enthält Ihr Bericht über den Beschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg zu wenige juristische Informationen, als dass eine Bewertung möglich wäre. Die in dem Beschluss ausgesprochene Verneinung des Straftatbestandes der Beleidigung ist richtig: Dieser ist kein Auffangtatbestand für Fälle von sexueller Bedrängung, die keinen der Tatbestände der Paragrafen 174 ff. StGB (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung) erfüllen. (...)

Gerhard Vierfuß, Oldenburg

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