Betrifft: „’Fluchtursachen sind das Problem’ – Migration: Evangelischer Bischof Adomeit über das Engagement der Oldenburgischen Kirche“, Im Nordwesten, 14. Dezember

Der Ausdruck „Verpeiltes Kirchenschiff“ ist ein Ausdruck von Ulrich Körtner, Professor für evangelische Theologie, der vor einer Moralisierung und Theologisierung der Politik warnt.

Bischof Adomeit hält es aus christlicher Grundhaltung für unabdingbar, die Initiative für ein neues Seenotrettungsschiff im Mittelmeer zu unterstützen. Christliche Grundhaltung orientiere sich an der Frage „Was hätte Jesus getan?“. Das erinnert mich an Fragen im Konfirmandenkreis. Kann dies das Niveau sein, auf dem komplexe Fragen wie die europäische Mi­grationspolitik diskutiert werden?

Nächstenliebe bewegt sich auf einer individualethischen Ebene. Es begründet zweifellos die Verpflichtung, anderen Menschen in konkreter Notlage zu helfen. Aus ihm lassen sich aber keine erschöpfenden Handlungsanweisungen für die Politik ableiten.

Bereits Luther hat mit seiner Zwei-Reiche-Lehre vor einer vorschnellen Übertragung christlicher Werte in den Bereich der Politik gewarnt. Bei den Seenotrettungsaktionen im Mittelmeer handelt es sich nicht um spontane Rettungsaktionen, sondern es muss im Kontext einer umstrittenen Migrationspolitik gesehen werden.

Dr. Werner Martin Oldenburg

Wo möchte sich die Kirche noch mehr in den Vordergrund stellen? Ein moralisches Dilemma! Diesem Dilemma könne man nur entfliehen, (...) wenn man sich des komplexen Problems annehme. Die Schlepper profitieren zusätzlich, wenn überhaupt der Anreiz für die Betroffenen nicht gesenkt werde, irreguläre Überfahrten zu machen.

Es müssten in erster Linie die Migrationsursachen (Krieg, Armut, Hunger, Verfolgung) in den Herkunftsländern bekämpft werden. Ebenso brauche Europa ein System, das die Einwanderung in legale Bahnen lenke.

Die Kirche leistet keinen guten Dienst mit dem Ansinnen, die sogenannte Rettung zu finanzieren, sehr geehrter Herr Adomeit! Es sei denn, die Kirche stellt am Ende auch die Unterkünfte und die Mittel zur Eingliederung bereit.

Diese Aufgaben den Staaten zu überlassen, was Deutschland mal wieder besonders belastet, ist nicht gerecht.

Herbert Dirksen Ganderkesee

Die ev.-luth. Kirche in Oldenburg beteiligt sich (...) mit 20 000 Euro am Verschiffen von Migranten aus Nord-Afrika nach Europa. Im Interview betont Bischof Thomas Adomeit, dass es der christlichen Grundhaltung entspricht, Menschen in Not zu retten. Dies ist (...) wahr. Wahr ist aber auch, dass sich die Kirche so am (...) Geschäft der Schlepper und Menschenhändler im Mittelmeer – unabsichtlich – beteiligt. Kriminelle Banden können ihren Gewinn maximieren, da es reicht, Migranten in seeuntüchtige, billige Schlauchboote mit schwachen Motoren ohne ausreichenden Kraftstoff zu setzten, da diese Boote nur eine kurze Strecke bewältigen müssen, bis die Insassen von privaten Seenotrettern an Bord genommen (...) werden.

Die Kirche lockt die verzweifelten Menschen mit der Versprechung auf eine sichere Überfahrt auf ihre gefahrvolle Reise. Nicht jeder wird bleiben dürfen. Die überwiegende Zahl wird abgewiesen werden. Und dann? Gehen diese Erdenbürger dann die Kirche nichts mehr an? Oder wird die Kirche diese Menschen in Lohn und Brot nehmen? Ihnen Wohnung, Hilfe und medizinische Versorgung geben? Für ihre Integration und die (Aus-) Bildung ihrer Kinder sorgen? Es steht zu vermuten, dass (...) weiterhin Kosten und Problemlösungen den aufnehmenden Gesellschaften in Europa aufgebürdet werden.

(...) Bischof Adomeit betont die Notwendigkeit, die Fluchtursachen auf dem afrikanischen Kontinent zu beseitigen – durch die Zusicherung einer sicheren Überfahrt nach Europa hilft die EKD den Menschen nicht. Hier nur dem grün-linken populistischen Zeitgeist zu folgen widerspricht der christlichen Verantwortungs-Ethik.

Ulrich Ahlborn Zetel

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