Betrifft: „Mehr Armut trotz Job-Booms“, Titelseite, 27. November

Die Armutsquote steigt! Ein Raunen geht durch das Land. Das schließt aber nach Definition nicht aus, dass es allen besser geht. Denn wer ist nach der gängigen Definition arm? Arm ist der, der weniger als 50 Prozent oder 60 Prozent (die Definitionen schwanken) des Durchschnittseinkommen zur Verfügung hat. Da über die Schwankungen des Durchschnittseinkommens nichts gesagt wird, es kann ja angestiegen sein, ist es möglich, dass bei steigendem Einkommen alle besser gestellt sind. Keiner wäre bei dieser Armutsdefinition hingegen arm, wenn alle gleich viel (wenig) verdienten. Dann verdiente keiner weniger als das Durchschnittseinkommen. (...)

Ich plädiere dafür, gleichzeitig mit diesen Schreckensmeldungen die Entwicklung des Durchschnittseinkommens und die Entwicklung der Einkommen (preisbereinigt) derjenigen zu veröffentlichen, die die Armutsdefinition erfüllen.

Und im Übrigen gilt, dass mit der gängigen Armutsdefinition es schwierig sein wird, die Armut je zu besiegen – es sei denn, alle verdienten gleich viel (beziehungsweise gleich wenig) und wir verzichteten auf ein Anreizsystem (...), unterschiedlich viel zu verdienen. Ich halte es mit John Rawls, der sinngemäß gesagt hat: Gegenüber einer Gesellschaft, die Gleichheit produziert, ist diejenige vorzuziehen, die zwar Ungleichheit produziert, in der es aber denen, die am unteren Ende der Einkommensskala stehen, immer noch besser geht als denen, die in einer Gesellschaft leben, in der alle gleich viel (wenig) verdienen.

Prof.(em.) Dr. Heinz Sahner Universität Halle-Wittenberg

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