Betrifft: „Trecker legen Stadt lahm“, Titelseite, vom 23. Oktober, und „Landwirte gehen auf die Straße“, Oldenburger Land, 22.Oktober

Die missliche Demo der Bauern richtet sich doch gegen deren selbst zu verantwortende Unzulänglichkeiten: Einstens hatte der Bauer bei deutlich geringeren Flächen als heute sein (verhältnismäßig geringes) Einkommen durch eigene Vertriebswege gesichert.

Das änderte sich erst durch die Bildung der Raiffeisengenossenschaften, mit deren Hilfe ein ausreichendes (?) Auskommen erzielt werden konnte.

Im Verlaufe der Nachkriegszeit kamen einige Schlaumeier auf die Idee der Produktionssteigerung zulasten der vorhandenen Ressourcen, auch mittels Erweiterung der Tierherden. Dass die Tiere auch Ausscheidungen produzieren, die vom vorhandenen Ackerland verkraftet werden müssen, wurde mit Blick auf zu erwartenden Gewinne nicht bedacht. Auch ein Erzeugungs-Überangebot, welches stets zum Preisverfall führt, wurde mit Ausblick auf mehr Einkommen gerne übersehen.

Wir haben jetzt die Situation, dass die Erzeugerpreise häufig die Existenz nicht sichern können und gleichzeitig durch Düngerauftrag und Pestizide die Böden und die Umwelt nachhaltig vergiftet werden.

Das alles hat die Landwirtschaft allein und sehenden Auges eigenverantwortlich verursacht. Warum demonstrieren jetzt die Landwirte? Ich jedenfalls habe absolut kein Verständnis dafür. Denn kein landwirtschaftlicher Erzeuger muss jeden Dumpingpreis der Industrie oder Discounter akzeptieren. Er hat ebenfalls keine Verpflichtung, die Tierherden unverantwortlich zu vergrößern.

Peter Bleßmann Per E-mail

Was bewegt junge Menschen, in der Landwirtschaft zu arbeiten? (...) Ich kann von mir aus sagen, dass mir dieser Beruf unheimlich viel Spaß macht. (...)

Aber auch die Verantwortung ist uns sehr wichtig und auch durchaus bewusst. Verantwortung gegenüber Tieren, gegenüber Verbrauchern und auch Verantwortung gegenüber der Natur. Ich kann mit vollster Überzeugung sagen, dass wir, und damit meine ich alle Landwirte, uns dieser Verantwortung vollstens bewusst sind und wir diese Verantwortung nie leichtfertig aufs Spiel setzen würden. (...)

Deshalb würde ich mir den Dialog wünschen. „Redet mit uns und nicht über uns.“ Wir Landwirte stehen oft zwischen Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher, zwischen Anforderungen des Handels und ideologischen Vorstellungen mancher Politiker und NGOs. (...)

Aber wie soll man einem jungen Landwirt erklären, dass er hier für den Klimawandel verantwortlich ist, und gleichzeitig beschließen Politiker mehr Rindfleisch aus Südamerika zu importieren, wofür dort der Regenwald abgeholzt wird. (...)

Wie soll man einem jungen Landwirt erklären, dass er weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen soll, um die Insekten zu schützen, wenn er gleichzeitig die mechanische Bodenbearbeitung intensivieren muss, was wieder zu höheren CO2-Belastungen führt.

Wie soll man einem jungen Landwirt erklären, dass er mehr fürs Tierwohl tun soll und offene Ställe bauen soll, wenn einem die Baugenehmigungsbehörden sagen, dass ein offener Stall zu viele Emissionen verursacht. Ich kann das keinem erklären und deshalb kann ich den Frust vieler Landwirte sehr gut nachvollziehen. Aus diesem Grund ist auch die Bewegung „Land schafft Verbindung“ entstanden. (...)

Felix Müller Rastede

„Ab 12.23 Uhr wird zurück gewarnt“ triumphierte der Landwirt Thido Meiners aus Rhauderfehn und blieb somit der jahrzehntealten Linie des Bauernverbandes treu. Warnen und Drohen. Völlig nebensächlich die Anmerkung von Lies, dass seit mindestens 10 Jahren die EU wegen fortgesetzten Verstoßes gegen die Wasserrahmenrichtlinien nun unwiderruflich mit Sanktionen droht. So sehen es offensichtlich viele Landwirte, die wahre Künstler im Ignorieren und Verschleppen sind. Über 80 Prozent der Bevölkerung misstrauen der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie.

Diesen „Titel“ bekommt man nicht geschenkt. Statt vom hohen Ross, oder besser gesagt aus der hohen Fahrerkabine, herabzusteigen und den vorbehaltlosen Dialog mit der Gesellschaft zu suchen, finden viele Junglandwirte dieses „Muskelspiel“ auch noch cool, als ginge es hier um ein Megahappening.

Dabei steht vieles, wenn nicht sogar alles auf dem Spiel. Für beide Seiten. Für die Tiere und die Natur übrigens auch. Da reicht keine Waffenruhe mehr, da muss ein dauerhafter Friedensvertrag her.

Wilfried Papenhusen Per E-Mail

Am 22. Oktober 2019 war ich zufällig in Oldenburg und habe die große Trecker-Demo der Landwirte vor Ort miterlebt. Ich war beeindruckt von der großen Solidarität der Landwirte, den riesigen Trecker-Kolonnen und von ihrer Entschiedenheit und Geschlossenheit.

Den Macht-Eliten hat diese Macht-Demonstration „von unten“ nicht gepasst. Siehe Zwischenfrage von „Hallo Niedersachsen“-Moderatorin am 22.10.2019 im TV-Beitrag, ob solch eine Macht-Demonstration auf der Straße richtig sei. Vor was hat denn diese Moderatorin so viel Angst? Vor der Macht des Volkes? Die „Hallo Niedersachsen“-Moderatorin gehört als Journalistin selbst zu den Macht-Eliten hier im Lande. (...)

Und ein paar Wohlfühl-Bürger fühlten sich in ihren Individual-Verkehr blockiert und beeinträchtigt. Wie können es „die Bauern“ wagen, unseren Straßenverkehr zu blockieren? Ja, die Wohlfühl-Bürger haben nur ihr Wohlfühl-Leben im Sinn. Sonst hätten sie die Trecker-Demo wohl unterstützt.

So etwas kennen die Deutschen gar nicht mehr. Öffentliche Demonstrationen und Blockaden. Eine Art ziviler Ungehorsam.

Hauptsache, der deutsche Michel hat seine wohlverdiente Bürger-Ruhe im Gartenzwerg-Paradies. Wir wollen doch nur ein Wohlfühl-Leben genießen. (...)

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, viele Menschen haben die Trecker-Demo unterstützt und befürwortet. (...)

Peter Woller Per E-Mail

Bei allem Verständnis für die Landwirte – die wirklich einen wichtigen Stellenwert haben – diese Form der Demonstration kann ich nicht verstehen.

Freitags gehen wir auf die Straße für den Klimaschutz und Dienstag rollen 2000 Diesel durch die Stadt...

Bianca Rühs Per E-Mail

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