Nürnberg Die Speer-Show der deutschen Goldkandidaten in Nürnberg hat einmal mehr Hoffnungen auf einen Dreifach-Triumph in Berlin geweckt. Wenn es bei der Leichtathletik-EM in der Hauptstadt (6. bis 12. August) um Gold, Silber und Bronze geht, sind der neue deutsche Meister Andreas Hofmann (Mannheim), Olympiasieger Thomas Röhler (Jena) sowie Weltmeister Johannes Vetter (Offenburg) die Topfavoriten auf die Medaillen – und könnten sich diese sogar untereinander aufteilen.

Zumal alle drei nach ihrem Auftritt in Nürnberg noch Steigerungspotenzial sahen. Trotz Würfen an die 90-Meter-Marke bei nicht gerade optimalen Bedingungen. Zum Vergleich: In diesem Jahr hat es überhaupt nur zehn Würfe gegeben, die weiter waren als die Siegesweite Hofmanns von 89,55 Meter. Nur einer davon war nicht von ihm, Röhler oder Vetter. Und: Noch nie war ein deutscher Speerwerfer bei nationalen Meisterschaften besser.

Röhler und Vetter haderten allerdings zumindest ein bisschen mit ihrem Auftritt. „Körper und Geist haben nicht zusammen gepasst. Ich war mit meinem Anlauf nicht zufrieden“, sagte Röhler, nachdem er im letzten Versuch auf 88,09 gekommen war. Vetter sprach nach seinen 87,83 von einem „soliden Wettkampf“. Er hatte in den vergangenen Wochen mit einer Verletzung zu kämpfen.

Es ist eines ihrer Erfolgsgeheimnisse, dass sie sich mit Erreichtem nie zufrieden geben. Olympiasieg und WM-Gold haben sie derzeit bereits inne – der EM-Titel soll folgen. „Es ist noch nicht das, was wir brauchen, um die ganz große Nummer zu spielen. Da werden die anderen schon noch Druck machen“, sagte Bundestrainer Boris Obergföll mit Blick auf die EM. Bis dahin heißt es: trainieren und tüfteln – auch zusammen. Denn obwohl natürlich jeder das Optimale für sich herausholen will, ist das Verhältnis der Sportler untereinander freundschaftlich.

Und auch die Trainer schotten sich nicht ab. „Es ist sicher unser Geheimnis, dass wir in so einem starken Austausch untereinander stehen, obwohl wir eine direkte Konkurrenzsituation haben“, sagte Obergföll. Man müsse nach der Leistungssportreform Ressourcen „effektiv“ nutzen, um erfolgreich zu sein. „Andere Nationen kaufen uns die Trainer weg, immer mehr Nationen können Medaillen machen“, sagte er weiter: „Wenn wir da nicht in der Lage sind, mehr zusammenzuarbeiten, uns mehr auszutauschen, auch mal mehr preiszugeben, könnte das über kurz oder lang unser Untergang sein.“

Obergföll zeigte aber auch deutlich auf, wo generell noch Verbesserungspotenzial bestehe. „Wir haben wahnsinnig viele Topathleten, die verletzt sind, weil es mit der physiotherapeutischen und medizinischen Betreuung nicht so funktioniert. Da fehlt uns einfach Geld“, sagte er.

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