Oldenburg Die einen finden sie niedlich; für die anderen sind sie das neue Sorgenkind Niedersachsens. Die Rede ist von der Nutria, auch Sumpfbiber genannt.

Viele Menschen lieben das possierlich Nagetier mit Schnurrhaaren, Schwimmhäuten und orangefarbenen Nagezähnen. Es gibt Nutria-Vereine und auf Facebook eine lebhafte Fangemeinde. Landwirte und Wasserbehörden hingegen wollen die Nutrias ausrotten. Nicht zum ersten Mal fand hierzu kürzlich in Oldenburg ein deutsch-niederländisches Symposium statt.

„Die zumeist in Kolonien lebenden Tiere graben Höhlen in Uferböschungen, fressen Kulturfrüchte und Flussmuscheln. Sie haben eine negative Auswirkung auf die Wasserwirtschaft und Landwirtschaft. Sie schädigen die heimische Flora und Fauna“, erklärt Heiko Fritz, Nutria-Experte von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die Europäische Union hat die Nutria, die ursprünglich aus Südamerika stammt und zeitweise in der ehemaligen DDR in Pelztierfarmen gezüchtet wurde, 2016 auf die Liste „invasiver gebietsfremder Arten“ gesetzt – einfach ausgedrückt: diese gewanderten Tiere gehören hier nicht her. Sie dürfen daher bekämpft und getötet werden. 2013/14 wurden in Niedersachsen 4359 Stück der bis zu 65 Zentimeter Länge und zehn Kilo Gewicht großen Tiere erlegt; 2016/17 waren es schon 21 866, was auch etwas über die starke Zunahme der Population aussagt. Nutrias können bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen, die nach fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif sind.

Nutrias verursachen ähnliche Schäden wie die kleineren Bisamratten, von denen in Niedersachsen pro Jahr etwa 200 000 Stück erlegt werden. „Aber die Fraßschäden und Durchmesser der Höhlen und Gänge an Ufern, Dämmen und Deichen sind viel größer und damit bedrohlicher“, sagt Fritz.

Die Niederländer sehen sogar ihren Hochwasserschutz bedroht. Dort gibt es inzwischen 21 beamtete Nutriabekämpfer. 2008 waren Nutrias in den Niederlanden fast ausgerottet. Dann kamen sie wieder – aus Deutschland.

„Die kennen keine Grenzen“, so Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Schwetje. Die Schäden bei unserem Nachbarn gehen in die Millionen, und allein 1,2 Millionen Euro wurden 2017 in die Nutria-Bekämpfung gesteckt. „Die Bekämpfung ist eine Sache unserer Existenz“, so Henk van der Steen, Regional-Koordinator Nordost-Niederlande, und er gibt seinen deutschen Kollegen noch einen Rat mit auf den Weg: „Je länger man mit Bekämpfung wartet, umso teurer wird es.“

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In Niedersachsen können Jäger derzeit sechs Euro „Schwanzprämie“ für jede erlegte Nutria kassieren. Helmut Blauth, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, wünscht sich zusätzlich eine Verwertung der Tiere. „Die Tierchen sind sehr schmackhaft, und auch die Felle können verwertet werden“, sagte er auf dem Nutria-Symposium in Oldenburg.

Am Ende des Symposiums mit rund 40 Fachleuten, standen drei konkrete Ergebnisse: In Niedersachsen soll künftig ein zwischen dem Landwirtschafts- und Umweltministerium abgestimmter Nutria-Erlass die Bekämpfung des Nagetiers regeln. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe bestehend aus deutschen und niederländischen Fachleuten ins Leben gerufen werden, die Strategien zur weiteren Eindämmung der Nutria-Population entwickelt. Die Wirksamkeit dieser Strategien soll dann in einem grenznahen Versuchsgebiet, das noch zu finden sein wird, überprüft werden. Heiko Albers, Präsident des Wasserverbandstags Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, ist allerdings skeptisch: „Seit dem letzten Nutria-Symposium 2015 wurde wenig erreicht.“

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