OLDENBURG /HANNOVER In diesen Tagen und Wochen werden überall im Oldenburger Land wieder die Erntekronen gebunden. Damit bedanken sich die bäuerlichen Familien für die Ernteerträge dieses Jahres. Im September wird Erntebilanz gezogen. Aber auch Gesamtbilanz: Wie ist die Lage in der Landwirtschaft? Die Antwort: Die Euphorie vom Deutschen Bauerntag vor einem Jahr ist verflogen und wurde auf dem diesjährigen Bauerntag übertönt von Klageliedern.

Auch auf den ersten Blick gute Ernteergebnisse können die Landwirte derzeit nicht so recht froh stimmen. So ermittelte das Bundeslandwirtschaftsministerium für ganz Deutschland eine Getreideernte von knapp 50 Millionen Tonnen bei zufrieden stellender Qualität. Damit lag der Ernteertrag um gut 22 Prozent über dem allerdings schlechten Vorjahresergebnis. In Niedersachsen waren es etwa 6,9 Millionen Tonnen und damit knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Für Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, ist dies allerdings kein Grund zum Jubeln: ,,Gesunkene Getreidepreise und massiv gestiegene Kosten haben den Ackerbauern die Freude am Erfolg der Ernte verdorben", stellt er fest. So drückt die weltweit gute Getreideernte auf die Preise. Und auf der anderen Seite seien die Kosten, vor allem für Energie und Düngemittel, explodiert. Dies seien ,,die bitteren Pillen der Ernte 2008", so der Bauernverband.

Viel Gutes erwartet der Landvolkverband Niedersachsen allerdings von der diesjährigen Maisernte. Die Ernte habe so früh wie selten begonnen, und ,,die Ernteaussichten sind sehr gut, denn die Maisbestände haben sich fast ausnahmslos hervorragend entwickelt", schreibt der Verband. Die Fläche für Silomais sei in Niedersachsen gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent ausgedehnt worden, die von Körnermais sogar um 43 Prozent. Ebenfalls eine über dem Durchschnitt liegende Ernte erwartet der Landvolkverband bei Zuckerrüben.

Die Obsternte litt 2008 laut Deutschem Bauernverband hingegen teilweise unter Frost- und Hagelschäden zu entscheidenden Wachstums- und Reifezeiten. Die deutschen Obstbauern rechnen daher generell mit einer geringeren Ernte als im Vorjahr – bei Äpfeln und Birnen von etwa zwölf bzw. 19 Prozent. Ein geringeres Ernteergebnis erwarteten ebenfalls die Gemüsebauern. Die diesjährige Spargelernte lag zehn Prozent unter Vorjahr, was allerdings ein Rekordjahr war.

Die Milchviehhalter sind weiterhin sehr unzufrieden mit den Auszahlungspreisen. Die Euphorie von vor einem Jahr ist komplett verflogen. Streikaktionen im Frühjahr haben nur eine minimale Verbesserung der Preise gebracht. Statt bis zu geforderten 45 Cent je Liter, können viele Milchbauern derzeit schon froh sein, wenn ihnen die Molkereien 34 Cent zahlen. Die meisten Milchbauern brauchen jedoch zur Kostendeckung rund 40 Cent.

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Wesentlich besser als vor einem Jahr geht es den Schlachtschweinehaltern. Sie konnten die Preise von Januar bis August um rund 40 Prozent auf 1,80 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht steigern. Die höheren Preise dürften zu einem Großteil Folge einer Verknappung sein: Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der Schweine in Deutschland binnen Jahresfrist um fast eineinhalb Prozent, während die Zahl der Schweinehalter sogar um rund zehn Prozent schrumpfte.

Warum sich die 1,80 Euro je Kilo Schlachtgewicht für die Mäster trotz höherer Kosten rechnen, weiß Detlef Breuer von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme: ,,Weil die Ferkel so billig sind.’’ Und damit sind auch schon die Verlierer der gegenwärtigen Entwicklung ausgemacht: die Ferkelerzeuger. Sie machen seit fast zwei Jahren mit jedem geborenen Ferkel Verlust. Nicht wenige haben bereits aufgegeben und Franz-Josef Möllers, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, weiß: ,,Noch viele stehen akut vor dem Aus."

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