EDEWECHT Schon Josef Rheinberger hat es getan, Ferruccio Busoni sowieso, viel später dann Jacques Louissier mit seinem Jazztrio. Kaum ein Musikwerk hat so viele Bearbeitungen erlebt wie Johann Sebastian Bachs unverwüstliche „Goldberg-Variationen“, von denen auch durchaus skurrile Versionen existieren.

Jene Version für zwei Bassgamben jedoch, die nun in der Edewechter Kirche St. Nikolai zu hören war, reiht sich in die Bearbeitungstradition als seriöse, letztlich nur Instrumentierungsfragen behandelnde Adaption ein.

Silke Strauf und Claas Harders haben für ihre Gamben-Fassung der „Goldberg-Variationen“ selbst gesorgt. Das neue Klanggewand, das sie dem eigentlich für das zweimanualige Cembalo gedachten Meisterwerk barocker Variationskunst anpassten, verfügt dabei über einen eigenen Reiz. Der intime Charakter des Werks blieb durch die dezenten Gamben-Klänge erhalten. Und gerade in den kontrapunktisch so bemerkenswerten Kanons demonstrierten die beiden die Kunst des polyphonen Spiels, in dem der silbrige, schlanke Klang der Gamben trotz enger Lage die Nachvollziehbarkeit der Linien in jedem Moment erlaubt.

Dass dabei selbst typische Clavierfigurationen stilecht tönten, ist den beeindruckenden spieltechnischen Fähigkeiten von Silke Strauf und Claas Harders zuzuschreiben. Die jeweils in erstklassigen Spezialensembles tätigen Gambisten wandelten sicher durch die virtuosen Elemente der Variationen, intonierten dabei auch in hohen Lagen und schnellen Passagen rein. Und das Ensemblespiel der beiden erklang in dieser ursprünglich für einen einzelnen Spieler gedachten Musik gemeinsam empfunden und präzise bei insgesamt eher gedeckten Kontrasten.

Nachdem es in Oldenburg in den vergangenen Monaten schon eine Bläserfassung und die Version als Streichtrio zu hören gab, haben Silke Strauf und Claas Harders – sehr zum Gefallen des Edewechter Publikums – mit ihrer luziden Bearbeitung den Blick auf die „Goldberg-Variationen“ aus der Perspektive der Alten Musik bereichert.

Jetzt bliebe eigentlich nur noch, einmal wieder das Original im Konzert zu erleben.

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