Wien Sie war die „Königin von Wien“ und eine der einflussreichsten Frauen der Monarchie: Mit Zigarre im Mund und ihren Bulldoggen wurde Anna Sacher zur Legende. Ihr „Hotel Sacher“, das auch wegen der Schokolade-Torte bis heute berühmt ist, ist eine Institution. Das Haus war Bühne der feinen Wiener Gesellschaft und Treffpunkt für den Kaiser, Adelige und Mächtige aus der ganzen Welt. Das Hotel wurde zum „Haus Österreichs“, in dem „Küss“ die Hand“ bis heute die normale Begrüßungsformel ist. Im historischen TV-Zweiteiler „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ von Regisseur Robert Dornhelm („Krieg und Frieden“) wird der Weg von Sacher (Ursula Strauss) als junge Witwe nachgezeichnet, die sich in einer Männerdomäne durchzusetzen musste. ZDF zeigt das bunte Treiben an zwei Abenden an diesem Montag und Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr.

Erzählt wird die Geschichte aus Perspektive des loyalen Portiers Mayr, der über Jahrzehnte alle Geheimnisse im Haus für sich behält. „Ein Portier vom „Hotel Sacher“ ist nicht vergesslich, sondern diskret.“ Dargestellt wird er von Robert Palfrader, der über die Landesgrenzen hinweg für seine Darstellung als „Kaiser“ bekannt ist.

Als roter Faden durch die Handlung dient die schicksalhafte Begegnung zweier Paare. Von 1892 an verfolgen die Zuseher 30 Jahre die komplizierte Freundschaft der von Traunsteins (Josefine Preuß und Laurence Rupp), die sich im Korsett der adeligen Verpflichtungen gefangen fühlen, und des freiheitsliebenden und liberalen Berliner Verlegerpaares Aderhold (Julia Koschitz und Florian Stetter).

Insgesamt waren über 50 Schauspieler und 950 Komparsen für die Verfilmung nach dem Drehbuch von Rodica Doehnert („Das Adlon“) im Dienst. Die Geschichte kam in der Alpenrepublik an. Der Marktanteil des Zweiteilers lag in Österreich kurz nach Weihnachten bei 38 Prozent. Durchschnittlich schalteten über 1,1 Millionen Menschen ein.

Adelige Unterstützung bekam Regisseur Dornhelm von einer Freundin: Francesca Habsburg, die mit dem Enkel des letzten österreichischen Kaisers Karl I. verheiratet ist, konnte zu einem Gastauftritt überredet werden. Eine Szene war dabei besonders pikant: Erzherzog Otto (Philipp Hochmair) vergnügte sich mit einer Mätresse in einem Séparée, bevor er betrunken mit gezücktem Säbel und entblößter Männlichkeit auf den Gang stürmte - direkt vor die Augen Habsburgs.

Die moralischen Eskapaden der Hauptdarsteller in historischer Kleidung werden genüsslich zelebriert. Da wird der zerrüttete Seelenzustand nach dem Tod der geliebten Kaiserin Elisabeth „Sisi“ schon mal als Grund zum Seitensprung vorgebracht. Die unschuldigste und reinste Liebesbeziehung bleibt die von zwei Bediensteten, die sich auch ohne Wohlstand über Jahre hinweg die Treue halten.

Auch der beschwerliche Weg eines jungen „Putzermädels“ wird nachgezeichnet, das nur knapp einem Mord entgeht. Im Keller der Wiener Staatsoper, direkt gegenüber des Sachers, wächst das Mädchen in Gefangenschaft zur Frau heran. Erst spät zeigt sich, wieso Teile der feinen Gesellschaft Interesse an ihrem Verschwinden hatten.

Dass sich der Handlungsbogen über mehrere Jahrzehnte dehnt, sieht man den Mimen bis auf wenige graue Haare großteils aber leider nicht an. Lediglich die Neugeborenen sind zu jungen Erwachsenen herangewachsen.

Auch das spannende Leben von Anna Sacher selbst („Ich bin der Mann im Haus“) wird meist nur oberflächlich gestreift. Die resolute Herrscherin über ein Imperium, die sich von der Metzgerstochter hochgearbeitet hat, würde mehr Stoff bieten. Auch die Geschichte des Hauses wird oft nur nebensächlich erzählt, viele Handlungen finden anderswo statt.

Dabei zieht das Sacher bis heute Prominenz wie Touristen an. Doch im Vergleich zur Anfangsphase hat es deutlich mehr Konkurrenz bekommen: In der Zwischenzeit reiht sich am Wiener Ring rund um die Innenstadt ein Luxushotel an das nächste.

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