Cannes Schönheiten wie Brigitte Bardot, Sophia Loren und Claudia Cardinale liefen über den legendären roten Teppich. Und Spitzen-Regisseure wie Federico Fellini und Luchino Visconti ließen sich auf der berühmten Strandpromenade Croisette feiern.

Stars auf rotem Teppich

Als am 20. September 1946 das erste internationale Filmfestival in Cannes startete, ahnte niemand, dass aus der damals als Alternative zum faschistisch beeinflussten Filmfestival in Venedig gegründeten Filmschau eines der größten Kinospektakel der Welt werden würde. In diesem Jahr (17. bis 28. Mai) feiert das Festival seine 70. Auflage – mit einer Goldenen Palme aus 167 Diamanten.

Gewöhnlich besteht die Goldene Palme, die an den besten Film vergeben wird, aus 118 Gramm reinem Gold. Nun wird die vielbegehrte Trophäe mit 167 Diamanten verziert. Erstmals wurde sie 1955 vergeben. Denn bis das Festival zu einem Muss der internationalen Kinowelt wurde, sollte es knapp zehn Jahre dauern. So fiel es 1948 und 1950 wegen finanzieller Schwierigkeiten aus. Heute berichten mehr als 4000 Journalisten aus 90 Ländern über das Großereignis.

Filmkunst, Promis, Mondänität und Skandale: Cannes füllte schon Anfang der 50er Jahre die Schlagzeilen. Stars wie Robert Mitchum und die Taylor verwandelten die Croisette in einen Boulevard der Hollywood-Größen. Mitchum trat mit derben amerikanischen Manieren zwar ein ums andere Mal ins Fettnäpfchen, wurde bei seinen Auftritten 1947 und 1954 aber dennoch zum umschwärmten „Bad Boy“. Die Diva Elizabeth Taylor stellte 1951 ihren ersten Cannes-Film „Ein Platz an der Sonne“ von George Stevens vor – und posierte im Badeanzug an der Seite von properen Marinesoldaten.

Doch die Pionierjahre sollten erst der Auftakt zum glamourösen südfranzösischen Starkult auf dem roten Teppich sein. Die aufregenden Formen des noch unbekannten Starlets Brigitte Bardot zogen Hunderte von Fotografen an, die sie im schwarzen Sommerkleid und barfuß am Strand auf ihren Fotos verewigten. Von zahlreichen Kameras und Fotoapparaten wurde auch die neapolitanische Schönheit Sophia Loren empfangen, die Cannes erstmals 1959 als Schauspielerin die Ehre gab. Sieben Jahre darauf kehrte sie als Jury-Präsidentin zurück.

Das Jahr 1968 sorgte in Cannes für eine Art Zeitenwechsel. Die französischen Studentenunruhen erreichten die Croisette. Das Festival musste abgebrochen werden und reformierte in der Folge die Regeln der Filmauswahl. Ein Jahr später nahmen Jack Nicholson, Dennis Hopper und Peter Fonda für den Kultfilm „Easy Rider“ den Preis für das beste Erstlingswerk in Empfang. Mit Werner Herzog wurde 1975 erstmals ein deutscher Filmemacher mit einem Hauptpreis bedacht, dem Jury-Spezialpreis für „Jeder für sich und Gott gegen alle“.

Mehr als drei Jahrzehnte ist es her, dass ein deutscher Regisseur den Hauptpreis in Cannes gewonnen hat. Vielleicht kann Fatih Akin in diesem Jahr den Bann brechen. Der deutsche Regisseur hat es mit dem Film „Aus dem Nichts“ in den Wettbewerb geschafft – und tritt dort unter anderen gegen Michael Haneke an.

Überhaupt waren selten zuvor so viele deutschsprachige Filmemacher vertreten: Nach ihrem Kritikererfolg mit „Toni Erdmann“ im vergangenen Jahr gehört jetzt auch Maren Ade zur Wettbewerbs-Jury unter dem Vorsitz von Pedro Almodóvar. Valeska Grisebach schaffte es mit einem von Ade mitproduzierten Film in eine bedeutende Nebenreihe.

Festival im Spagat

Den Auftakt macht am nächsten Mittwoch das französische Liebesdrama „Les Fantômes d’Ismaël“ mit Marion Cotillard und Charlotte Gainsbourg. In den folgenden Tagen steht dem Filmfest dann ein Spagat bevor: Einerseits wird das Jubiläum gefeiet, andererseits lässt sich die aktuelle politische Wirklichkeit nicht ausblenden. Schon in den vergangenen Jahren waren die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Das dürfte sich nun, nachdem Frankreich in den vergangenen Monaten Terroranschläge erlebt hat, weiter verschärfen.

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