Zürich Den Tod hat Bruno Ganz oft gespielt. Auf der Bühne in klassischen Dramen ebenso wie vor der Filmkamera. „In Sterberollen lernt man, dass es einem nicht hilft, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten“, sagte er einst im Interview der „Zeit“. Am Samstag ist der Schweizer Schauspieler, der mit seinem gespenstischen Auftritt als Adolf Hitler weltweit Aufsehen erregt hat, im Alter von 77 Jahren in seiner Heimatstadt Zürich gestorben, wie seine Agentin Patricia Baumbauer mitteilte.

Mit ihm hat die Film- und Theaterwelt einen ihrer größten Mimen, Europa einen seiner renommiertesten Film und Bühnenschauspieler verloren. „Bruno Ganz besaß diesen magischen Schlüssel, der große Kunst erschließt“, hieß es in einem Kondolenzschreiben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete Ganz als „eine Ikone des deutschsprachigen Theaters und einen herausragenden Könner auch der internationalen Schauspielkunst“.

Ganz war seit mehr als 20 Jahren Träger des Iffland-Rings. Die Auszeichnung wird von ihrem Träger jeweils im Testament an den seiner Ansicht nach würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit weitergereicht. Ganz hatte den nach dem Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland (1759–1814) benannten Ring 1996 von Josef Meinrad erhalten.

Der vielfach Ausgezeichnete war auf der Bühne Tasso, Hamlet, Odysseus, Prometheus, Faust oder Ibsens Bauernsohn Peer Gynt. Beim Theaterpublikum vor allem durch seine Arbeit mit Peter Stein an der Schaubühne in Berlin längst hoch geschätzt, wurde der Schweizer mit Wim Wenders’ „Der amerikanische Freund“ 1977 auch als Filmschauspieler bekannt. Mehr als 80 Filme drehte er, zuletzt in dem Horror-Thriller „The House that Jack Built“ von Lars von Trier, der im Mai 2018 beim Filmfestival in Cannes uraufgeführt wurde.

Eindrucksvoll seine Darstellung eines von Selbstzweifeln geplagten Kriegsberichterstatters in Volker Schlöndorffs „Die Fälschung“ (1981). Kritiker und Publikum begeisterte Ganz im Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“ (1987) als Engel Damiel.

Unsterblichkeit erlangte Ganz als Schauspieler zweifellos 2004 in der Rolle des Adolf Hitler in „Der Untergang“ von Bernd Eichinger (Drehbuch) und Oliver Hirschbiegel (Regie). Ganz gab den Nazi-Diktator verstörend, unheimlich und gleichzeitig lebensecht und nachvollziehbar.

Danach hatte er sich vor Rollenangeboten aus aller Welt kaum retten können. Doch er blieb wählerisch, spielte, worauf er Lust hatte – darunter mit Liam Neeson den Hollywood-Thriller „Unknown Identity“ (2011). Auch wenn Ganz abwechselnd in Berlin, Venedig und Zürich lebte, blieb er seiner Heimat immer treu. Auch als Schauspieler: 2014 gab er mit Bravour für eine Neuverfilmung die Schweizer Altherren-Paraderolle – den Großvater des Alpenmädels Heidi. „Den Alpöhi zu spielen“, sagte er augenzwinkernd Reportern , „ist doch eine patriotische Pflicht.“

Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen in der Inszenierung der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ die Rolle eines Erzählers übernehmen – doch dazu kam es nicht mehr: Aus gesundheitlichen Gründen musste er absagen.

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