OLDENBURG Sein Ruf ist nicht eben der beste: Bösewicht und Bankräuber, Herzensbrecher und Non-Konformist. Doch er schrieb TV-Geschichte und wird den Deutschen wohl vor allem wegen einer unvermuteten Eroberung im Gedächtnis bleiben: Burkhard Driest war der Mann, der Romy Schneider verzauberte.

In Jeans und Lederjacke saß er am 30. Oktober 1974 in der WDR-Talkshow „Je später der Abend“ mit Dietmar Schönherr. Driest hatte wegen schweren Bankraubs im Zuchthaus gesessen und ein Knast-Buch geschrieben, „Die Verrohung des Franz Blum“. Romy Schneider kam als Gast aus Frankreich. Und plötzlich fielen die berühmten Worte, die aus einer gewöhnlichen Talkshow-Folge eine Fernsehlegende werden ließ: „Sie gefallen mir! Sie gefallen mir sehr!“, sagte die schöne Romy und legte leicht die Hand auf die Jeans des zügellosen Wilden. Unerhört! Die Presse überschlug sich und dichtete beiden prompt eine Liaison an.

Schon vor diesem skandalträchtigen Auftritt wies Driests Biografie viel Krawalliges auf. 1939 in Stettin geboren, war seine Schulzeit „eine Kette von Protesthandlungen“, wie er es einmal formulierte, dreimal flog er von der Schule. Dennoch machte er Abitur und studierte Jura, überfiel jedoch drei Wochen vor dem mündlichen Examen eine Sparkasse, erbeutete rund 5500 Mark und wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Anschließend hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und veröffentlichte seinen ersten, autobiografisch gefärbten Roman. Nach dem Talkshow-Flirt mit Romy Schneider lebte Driest in Hollywood, verfasste Drehbücher und das Musical „Falco meets Amadeus“.

1980 wurde er von seiner Kollegin Monika Lundi wegen Vergewaltigung angezeigt. Der Vorfall soll sich auf einer kalifornischen Schauspielschule ereignet haben. Das Gericht hielt die Vorwürfe aber nicht für glaubhaft. Es endete mit einer Geldstrafe wegen Körperverletzung.

Unter seinem weißen Haar wirkt Burkhard Driest, der am Dienstag 70 Jahre alt wird, inzwischen milder. Vom Image des Rohlings ist ihm der gefährliche Charles-Bronson-Ausdruck im vernarbten Gesicht geblieben. Ansonsten lebt er seit Jahren zurückgezogen auf Ibiza und schreibt Krimis, in denen er seinen Kommissar Toni Costa – ebenso wie der Autor selbst von Tinnitus geplagt – auf Ibiza ermitteln lässt.

Er schreibe „sieben Tage in der Woche“, sagte der alleinerziehende Vater zweier Kinder vor zwei Jahren bei seiner Lesung in der NWZ-Reihe „Begegnungen“ in Oldenburg, er genieße die Natur auf Ibiza, in der Hoffnung, „noch gelassener zu werden“. Derart gelassen wich er auch der Frage aus, was nach der Talk-Show zwischen ihm und Romy vorgefallen sei. Nur eines verriet er – dass er schon immer ein Herz für offene Menschen hatte, die „ohne Bedingungen und Sicherungen leben“.

Das wird also ewig ein Rätsel bleiben.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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