Oldenburg Zwei der drei Nominierten hatten schon vorher das Glück, einen Verlag zu finden. Darauf dürfte die Dritte nun auch nicht mehr lange warten müssen: Sabine Raml aus Berlin reichte ein Manuskript ein – ihr erstes Jugendbuch und die dritte Fassung eines Textes von 2004 – und überzeugte damit die Jury des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises. Eine Entscheidung für 114 Schreibmaschinenseiten voller Sozialdramatik und unter einem starken Titel: „Heldentage (do what you love)“.

Zweite Version zu traurig

Sie sei froh, dass die Jury das Manuskript „rausgefischt“ habe, sagte die Berliner Autorin Anja Tuckermann in ihrer Laudatio: Es werde hoffentlich ein Buch, das es geben muss, „weil es Mut macht, nicht zu verharren in unhaltbaren Zuständen“. Bei einem Festakt im Oldenburger Schlosssaal wurde Sabine Raml am Mittwochabend der mit 7600 Euro dotierte Kibum-Preis von Oberbürgermeister Gerd Schwandner übergeben. Der Kibum-Preis habe sich im Laufe der Jahre zu einem relevanten Indikator am Buchmarkt entwickelt, sagte er. Das von der Jury ausgewählte Buch sei ein herausragendes – und zwar nicht nur auf dieses Jahr bezogen.

Auszeichnung mit 7600 Euro dotiert – Fünfköpfige Jury

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Er wird im Rahmen der Kibum verliehen, ist mit 7600 Euro dotiert und zählt bundesweit zu den höchstdotierten Auszeichnungen für Kinder- und Jugendliteratur.

Die fünfköpfige Jury nominierte drei Autoren: Heiko Wolz aus Unterfranken mit seinem Kinderbuch „Allein unter Superhelden“ (dtv junior), Rena Dumont aus München mit ihrem Jugendbuch „Paradiessucher“ (Hanser Verlag) und schließlich Sabine Raml aus Berlin mit ihrem Jugendbuchmanuskript „Heldentage (do what you love)“.

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Die 40-jährige Autorin, die in Essen geboren wurde und größtenteils auf einem Campingplatz aufwuchs, schrieb bisher vor allem für Erwachsene. Sie veröffentlichte Prosatexte in Zeitschriften und Anthologien, für die sie schon mehrmals ausgezeichnet wurde. Seit vielen Jahren arbeitet sie an einem Roman. Auch ihr Manuskript „Heldentage“ hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Die erste Version sei 2004 entstanden, erzählt sie, die zweite habe sie verworfen, „weil sie zu traurig war“. Das endgültige Manuskript bezeichnet sie selbst als „Problembuch“, aber ein „ziemlich fröhliches“.

Es ist die Geschichte der 14-jährigen Lea. Nur ein paar Tage, von denen sie erzählt, in Rückblicken, Tagträumen und mit vielen Gedankensprüngen. Sie hat viele Probleme zu verkraften, ist aber zäh, wie ein Kind in solchen Verhältnissen nur sein kann: Der Vater ist nach Ibiza abgehauen (und mit ihm jeglicher Wohlstand), die Mutter eine Alkoholikerin, die ihre Tage vor dem Fernseher verbringt.

Lea soll den Fusel besorgen, den Haushalt schmeißen, alle Amtswege erledigen und ist deshalb in der Schule sitzen geblieben. Als „Klassenomi“ hockt sie nun unter Zwergen und muss das Gespött ertragen. Aber da gibt es noch Lenny, in den sie verliebt ist, der aber eine andere küsst. Kein Wunder, dass ihr die Luft wegbleibt und sie wegen ihres Asthmas „aus dem letzten Loch pfeift“.

Beachtliches Niveau

Zu heftig? „Friede-Freude-Eierkuchen ist hier nicht zu erwarten“, räumt Jury-Mitglied Robert Elstner von der Stadtbibliothek Leipzig ein. Doch von der auf einem beachtlichen Niveau inszenierten Dramatik werde der Leser nicht erdrückt. Denn Lea sei stark, fantasievoll, und die Autorin habe ihr eine Sprache gegeben, „die erfrischt und überrascht“: eine Heldin, „die man nicht vergessen wird“.

Unter den eingesandten Büchern und Manuskripten – vom Bilderbuch bis zum 500-Seiten-Werk – hat die Jury einen Trend zur Familiengeschichte ausgemacht. So seien alle drei nominierten Texte dieser Thematik zuzuordnen, sagte Jury-Mitglied Ralf Schweikart, Journalist aus Hofheim am Taunus. Wenn auch mit ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Die familiäre Ausgangslage von Lea ist sicherlich die schwierigste. Doch das Ende, das sich Sabine Raml ausgedacht hat, ist heiter, ohne kitschig zu sein. Hoch über den Wolken, im Flugzeug in Richtung Süden: „Bin angeschnallt und wackle ein wenig mit den nackten Zehen. Ich atme tief ein und lange wieder aus.“

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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