OLDENBURG Der pink eingefärbte Hund hockt auf dem grauen Bürgersteig, die Augen konzentriert ins Leere gerichtet: Eine künstlich anmutende Promenadenmischung bei einer natürlichen, wenn auch reichlich unappetitlichen Verrichtung.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – diese Aussage würde vermutlich jeder Fotograf sofort unterschreiben. Nicht ohne Grund verstehen sich vor allem die Freiberufler der Branche als „Autoren“ und ihre jeweilige Handschrift als „Autorenschaft“. Sich gegenüber der schreibenden Zunft zu behaupten und das Überleben zu gewährleisten, gelingt im Verbund am besten.

„Nordaufnahme“ ist so ein kreatives Netzwerk, das seit 2004 besteht und dem rund 70 Fotografen aus der Region angehören. Jährlich treten sie mit einem Projekt an die Öffentlichkeit, diesmal mit der Ausstellung „örtlich – nördlich“ im Oldenburger Schloss, an der 38 Fotografen – darunter zwei ehemalige Mitarbeiter der NWZ – mit jeweils drei bis fünf Arbeiten zu „Land und Leuten“ im Nordwesten teilnehmen.

Eine „Premiere“ nennt Doris Weiler-Streichsbier, kommissarische Leiterin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, die Ausstellung, die sie im Zwei-Jahres-Rhythmus wiederholen möchte. Ob Bernd Küsters Nachfolger, der im Frühjahr 2010 antreten soll, ihre Vorliebe teilt, wird sich zeigen.

„Nordaufnahme“ ist kein Verein, sondern ein loser Verbund, der „basisdemokratisch“ und neidlos vorgeht: Gemeinsam wurde das Projekt diskutiert, zusammen wurden die Arbeiten ausgewählt und schließlich auch der Katalog finanziert. Wer sich an Letzterem nicht beteiligt hat, ist darin auch mit keiner Abbildung vertreten.

Alle Beteiligten sind Freiberufler, die in der Schau nicht nur ihre „Butter-und-Brot-Arbeiten“ zeigen, sondern vielfach auch Motive, Themen und Techniken, die ihnen nebenher am Herzen liegen. Wobei der fast schon touristische Blick auf die Region – mit Variationen von Strand, Meer, Küste und Kuttern zu wechselnden Jahreszeiten – zwar vertreten ist, aber nicht den Schwerpunkt bildet.

Mitunter decken sich Leidenschaft und Beruf wie etwa bei dem Naturfotografen Armin Maywald, der seit 20 Jahren geduldig Seehunde und Kegelrobben fotografiert. Detmar Schmoll dagegen, der sein Geld bevorzugt mit Luftaufnahmen verdient, schafft in seiner Freizeit kleinteilige Foto-Collagen mit Muscheln, Krebsen, Holz und Metall.

Neben Porträt-, Sport- und Theaterfotografie ragen die konzeptionell-künstlerischen Arbeiten heraus – etwa die mordenden Vamps in den Foto-Inszenierungen von Martin Herrmann, die meditativen Studien aus dem Worpsweder Teufelsmoor von Christine Henke, die minimalistischen Asphalt-Fotos von Jörg Sarbach oder die mit impressionistischer Unschärfe spielenden Strandfotos von Frank Pusch.

Und schließlich die surrealen Motive aus Rüdiger Lubrichts Schwarz-Weiß-Serie „Moorland“. Das verlassene Haus, das aus Hitchcocks Film „Psycho“ stammen könnte, steht eben nicht in den USA, sondern bei Worpswede, in einem Ort namens Schlußdorf. Und ausnahmsweise fehlt hier zum Bild doch eine Geschichte.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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