Wilhelmshaven Es gibt noch Stücke, die Spaß machen. Die gut unterhalten. Und die spannend sind. So ein Stück ist „The Who And The What“. Ayad Akhtar, Amerikaner pakistanischer Herkunft, hat das Drama mit dem sperrigen Titel (auf Deutsch: „Das Wer und das Was“) verfasst, jener Autor, dessen Drama „Geächtet“ erfolgreich bis November vergangenen Jahres im Oldenburgischen Staatstheater lief.

Wo es Eintrittskarten gibt

Eintrittskarten für das Stück „The Who And The What“ in der Landesbühne Nord im Stadttheater Wilhelmshaven gibt es unter: Telefon   04421/94 01 15.

Die Problematik des neuen Schauspiels ähnelt der in „Geächtet“, wie jetzt die Premiere zeigte: Auch an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven geht es um die Herkunft, den Koran, die Frauen und natürlich um die Liebe.

Keine Schenkelklatscher

Vier Schauspieler schickt Regisseur Jochen Strauch in die Schlacht um die Meinungshoheit. Im Chor sprechen sie nur die Szenenanweisungen, sonst sind sie grundverschieden: Afzal, 60-jähriger New Yorker Taxi-Unternehmer, Witwer und aufgeklärter Muslim (wenigstens auf den ersten Blick), hat die beiden modern erzogenen Töchter Zarina und Mahwish.

Und dann ist da noch Eli. Ein nicht mehr ganz taufrischer Mann, der so wirkt wie die Jungs, mit denen garantiert kein Mädchen auf Partys tanzen will (herrlich: Aom Flury). Doch Papa Afzal (schön natürlich: Helmut Rühl) hat ihn unter muslimlove.com ausgesucht und für Zarina vorgesehen.

Afzal ist liberal, sieht aber nicht ein, warum seine vorlaute, schon 30-jährige Tochter ohne Heirat durchs Leben stiefeln soll. Caroline Wybranietz spielt diese widerspenstige Tochter hübsch turbulent.

Klingt wie eine Boulevardkomödie? Ist es auch zum Teil. Die Betonung liegt auf Teil. Denn weder für den Papa noch für Zarinas Schwester (Carolin Karnuth) ist es später witzig, als sie erfahren, dass die ewig aufbegehrende Zarina heimlich an einem Roman über das Sexleben des Propheten Mohammed schreibt. Und schon sind wir im Familienkrieg gelandet . . .

Autor Akhtar versteht es, schwere Themen leicht zu machen und den Umschlag vom Komischen zum Tragischen und wieder zurück hinzubekommen. Die Regie lässt den alltäglich gekleideten Schauspielern reichlich Raum und kommt in eindreiviertel Stunden wohltuend ohne Firlefanz aus. Pointen sind sanft gesetzt, wahrlich keine Schenkelklatscher. Die abstrakte Bühne (Frank Albert), die auf den ersten Blick so wirkt, als wollte sie mit den riesigen, aus Glühbirnen zusammengesetzten Wörtern „Who“ und „What“ ordentlich ablenken, erweist sich als Glücksfall.

Klar gesprochen

Eine Küchenszene soll es sein? Wupp ist ein metallener Block zum Tisch umgebaut. Was braucht es viel Deko, wenn der Text alles flott richtet. Und der wird jederzeit klar gesprochen – heute keine Selbstverständlichkeit.

Was bleibt, ist sehr gute Unterhaltung mit einigem Tiefgang. Reingehen!

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Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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