Wilhelmshaven 650 Zuhörer in der Stadthalle spenden schon vor dem ersten Ton Applaus für die Junge Norddeutsche Philharmonie und ihren Gastdirigenten Duncan Ward. Das Eröffnungskonzert der 33. Niedersächsischen Musiktage fand anlässlich des 150. Stadtgeburtstages in Wilhelmshaven statt.

Das Thema „Mut“ setzt den Schwerpunkt: „Attacca“ heißt es mit Pascal Dusapins Werk für zwei Trompeten, der rhythmisch hochkomplexe, aufwendig zu lernende Partituren schreibt. Verstörend, atonal, fragmentiert – die Trompeter markieren mutig den Beginn eines großartigen Konzertes. Johannes Janssen, Direktor der veranstaltenden Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Dr. Annette Schwandner, Ministerialdirigentin im Niedersächsischen Kultur- und Wissenschaftsministerium, sowie Intendant Anselm Cybinski bewegt das Thema „Mut“ auf eigene Weise in der Wahrheit, im Einstehen von Werten, in der Rolle der Kultur und in der Musikauswahl. „Es gibt keinen besseren Ort als Wilhelmshaven in Zusammenhang mit dem Thema ’Mut’“. Cybinski verweist auf das militärisch geprägte Gründungsjahr 1869 mit dem Klang dieser Zeit.

Mit Giuseppe Verdis Ouvertüre von 1869 aus der Oper „La forza del destino“ (Die Macht des Schicksals) zeigt das Orchester, dass es mit Duncan Ward „wie die Wahnsinnigen“ geprobt hat. Der 29-Jährige hat mit charismatischer Ausstrahlung bei den Musikern Eindruck gemacht. Seine Mimik und Körperspannung zieht sich bis in den letzten Millimeter seines Taktstocks und durchdringt jeden. Die Musiker gehorchen auf die Sekunde und fesseln sogleich mit präziser und akzentuierter Arbeit.

Bei dem spannungsvollen Werk ziehen die hochbegabten jungen Leute alle Register. Der homogene Klangkörper steigert sich qualitativ noch mit der Sinfonie Nr. 1 c-Moll von Johannes Brahms, durchaus schwere Kost in 4 Sätzen. Die Kinder im Publikum staunen ob der großen Besetzung für Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner, Trompeten, Posaunen, Pauken und Streicher. Gleich der 1. Satz beginnt kraftvoll dramatisch mit einem Paukenschlag. Ward dirigiert auswendig, er „er“-lebt jedes Instrument. Seine Hände „fliegen“, er „schleicht“ sich in die Dynamik wie ein Kater auf Beutezug, um gemeinsam mit dem Orchester auszubrechen und zuzuschlagen.

Die deutsch-japanische Starpianistin Alice Sara Ott (31) krönt den Abend mit Maurice Ravels Klavier- und Orchesterkonzert G-Dur in drei Sätzen. Man hört, sie sei indisponiert. Dennoch spielt sie mit unglaublicher Intensität, Schnelligkeit und Leichtigkeit, als ob die Tasten sich nicht bewegen. Jubel und Begeisterungsstürme sind ihr sicher.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

NWZONLINE-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten.
Meine E-Mail wird nur zu diesem Zweck verwendet.
Einwilligung jederzeit wider­rufbar, Abmeldelink in jeder E-Mail. Die Datenschutz­erklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.