BRAKE Immer wieder Szenenapplaus und Jubelrufe, am Ende stehende Ovationen und mehrere Zugaben: Die Niederdeutsche Bühne Brake feierte am Donnerstag mit der knapp zweistündigen niederdeutschen Uraufführung der Komödie „Ganze Kerle sind Keerls döör un döör“ eine grandiose Premiere.

Die Besucher urteilen begeistert: köstlich, einmalig, einfach toll! Sie haben recht. Diese Inszenierung sollte wirklich niemand verpassen.

Auf der Braker BBZ-Bühne geht die Post ab, die Inszenierung von Werner Michaelsen ist temporeich, witzig und spritzig, aber ohne Klamauk. Der Perfektionist hat in harter Probenarbeit ein Meisterstück abgeliefert.

Als Paketboten des erfundenen Zustelldienstes „Schnell-Dienst Stadt-Land“ legen Klaus Nicolaisen als Georg Gregor, Jann Blohm als Hinnerk Knocke, Detlef Gerdes als Paul Polands und Sandro de Brito Soares als Manuel Rodriguez ein bislang ungeahntes Showtalent an den Tag. Sie agieren mit großer Spielfreude – bis zum Umfallen.

Die Paketboten erledigen ihren Job gern, ihre gute Laune ist allerdings dahin, als Georg von Versandleiter Frank Korting (Hans-Dieter Becker) die Kündigung erhält. Dabei hatten die Männer gerade Mitleid mit ihrem Chef entwickelt, weil dessen Tochter eine schwere und noch dazu teure Operation bevorsteht. Sie wollen helfen und das Geld für die Behandlung mit einer Travestieshow aufbringen.

Ihre mühevollen Gehversuche auf hochhackigen Schuhen, die Dialoge über Kosmetik, Dessous und Mode sind ein einziger Frontalangriff auf das Zwerchfell. Das Publikum lacht Tränen und klatscht sich die Hände heiß.

Hinnerks Mutter Lore (Elke Moorbeck-Böse) nimmt schließlich als Travestie-Trainer resolut das Heft in die Hand und den Männern ihre Hemmungen gegenüber Perücken, Pumps und Playbackgesang.

Was dann auf der Showbühne folgt, ist absolut sehenswert: Ihr großes komödiantisches Können stellen Klaus Nicolaisen, und Jann Blohm als Margot und Maria Hellwig und schließlich als Mireille Matthieu und Nana Mouskouri unter Beweis. Sandro de Brito Soares stellt als Tina Turner manchen Profi-Schauspieler in den Schatten. Er hat auch das kleinste Detail in Gestik und Mimik des Rock-Stars einstudiert.

Den Vogel aber schießt Detlef Gerdes ab. In Netzstrümpfen und hohen Stiefeln ist er als Andrea Berg eine Augenweide und als Liza Minelli bringt er das Publikum schier aus dem Häuschen vor Begeisterung.

Was kann da noch kommen? Die Überraschung des Abends ist Hans-Dieter Becker als Madonna. Er leitet das große Finale ein, das die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen hält. Erst nach vier Zugaben dürfen die ganzen Kerls die Bühne verlassen. Der Niederdeutschen Bühne Brake ist wieder einmal ein großer Wurf gelungen.

Karten: 04401/40 77

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Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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