Süddorf Manchmal ist das mit sogenannten „Schnapsideen“ so: Nicht unbedingt bei einem Schnaps, wohl aber bei einem Bier kommt man auf eine etwas abgefahrene Idee. Entweder wird sie im nüchternen Zustand dann wieder verworfen. Oder es läuft so wie bei „De Afrümers“ aus Süddorf bei Edewecht (Ammerland): Während eines geselligen Abends schlug ein Mitglied der Landjugend spaßeshalber vor, man könne doch mal ein Treckerkino veranstalten. Angelehnt an das traditionelle Autokino – nur eben im Großformat. Gesagt, getan: „2011 haben wir das zum ersten Mal umgesetzt. Wir haben mit dem Bauern Andreas Bruhn aus Osterscheps die Abmachung, dass wir seine Wiese dafür nutzen dürfen, das ist echt super“, erzählt Diana Harries, die für die Pressearbeit der Afrümers zuständig ist. Es wurde eine 50 Quadratmeter große Leinwand angeschafft, die mit Expandern an einem Alugerüst befestigt wird. Dieses wird dann vor einer großen Baumreihe aufgestellt. „Dann haben wir einen qualitativ ziemlich hochwertigen Beamer angeschafft“, fügt sie hinzu.

Luxuriöse Ton-Lösung

Der Verein De Afrümers organisiert das beliebte Treckerkino

Der Verein aus Süddorf hat sich nach eigenen Angaben 1982 gegründet. 13 Jugendliche wollten so eine Art Selbsthilfegruppe schaffen, um ein Angebot an sinnvoller Freizeitbeschäftigung zu etablieren.

Ziel der Vereinsarbeit heute ist, Jugendliche über die aktive Vereinsarbeit zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen, Führungsqualitäten zu entwickeln und sich darüber hinaus für soziale Belange einzusetzen.

Die Struktur des Vereins gliedert sich dabei in drei Altersgruppen (16 bis 25 Jahre, 20 bis 40 Jahre, 35 bis 58 Jahre). Die 160 Mitglieder kommen nicht ausschließlich aus Süddorf sondern zu einem großen Teil auch aus den Nachbarorten und angrenzenden Gemeinden.

Jede Gruppe arbeitet eigenverantwortlich, hat eigene Gruppenleiter, Finanzen und bestimmt ihr Programm selbst. Ein Gruppenübergreifender Vereinsvorstand koordiniert die Einzelaktivitäten.

Unternommen werden unter anderem Segeltouren, Städtereisen, Kanutouren, Konzertbesuche sowie die Organisation der Freiluftfete in Süddorf.

Der Clou: Der Ton des gezeigten Filmes läuft über eine spezielle Radiofrequenz und ist somit klar und deutlich in jedem Gefährt zu hören. „Es dürfen natürlich nicht nur große Traktoren kommen, vom Rasenmähertrecker bis zum Häcksler ist hier alles willkommen“, sagt Diana Harries.

Und zwar ohne Anmeldung. Alle, die am Samstag, 2. September Zeit haben, können einfach ab 17.30 Uhr zum Festplatz an der Edammer Straße kommen und sich einen noch geheimen Film im Freien ansehen. Dieser startet ab 20.30 Uhr. Auch per Auto, mit dem Rad oder zu Fuß können Interessierte vorbeikommen. Das Organisationsteam hat dann schon alles vorbereitet: Die Trecker werden nach Größe sortiert und in extra vorgemähte Spuren eingewiesen. Während der Abfahrt steht in diesem Jahr helfend die Feuerwehr Osterscheps bereit und weist die blinkenden Gefährte aus der Wieseneinfahrt.

„Eigentlich ist der Film tatsächlich Nebensache, toll ist das ganze Ambiente. Manche kommen nur, weil es so einen riesigen Spaß macht. Sie schnacken, trinken etwas und feiern das Hupkonzert, bevor der Film losgeht“, berichtet Axel Pleyn, der auch von Beginn an mit im Organisationsteam ist. Auch für Kinder sei der Tag eine tolle Veranstaltung, betonen die Organisatoren. Für Bratwurst, ausreichend Getränke und Toiletten haben die Veranstalter gesorgt.

Im vergangenen Jahr kamen 600 Trecker. „Das war Wahnsinn – es fuhren immer mehr und mehr Fahrzeuge auf die Wiese. Sollten es dieses Jahr noch mehr werden, müssen wir platzmäßig noch einmal umdisponieren. Aber wir sind überglücklich, dass das so gut angenommen wird“, freut sich Diana Harries.

Hohe Wertsumme

Allein die Wertsumme aller Trecker sei enorm: rund 50 Millionen Euro standen im vergangenen Jahr auf dem Platz. Nachahmer gibt es einige. Dennoch ist das Treckerkino in Süddorf noch das meistbesuchte. „Wir haben Anfragen aus Stuttgart bekommen, ob die Treckerfahrer hier übernachten könnten“, erzählt die Pressesprecherin. Und? „Klar können sie. Man kann ja auf der Wiese einfach zelten.“ Manche der Fahrer dieser großen Landmaschinen nehmen auch eine Fährfahrt über die Weser auf sich. Die meisten Besucher kommen allerdings nicht von ganz so weit her – viele kommen aus dem Oldenburger Land, dem Ammerland, aus Cloppenburg oder aus Leer.

Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, für Kinder ist der Abend kostenlos. Firmen können im Vorhinein auch Karten ordern und für ihre Mitarbeiter bereitstellen. „Zahlen müssen sie dann aber nur die Karten, die auch eingelöst werden. Das ist auch ein nettes Geschenk für die Belegschaft“, schlägt Diana Harries vor.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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