Oldenburg Von allen Mutproben, die junge Menschen ab und an brauchen, gehört diese zu jenen, die Eltern die wenigste Angst bereiten. Aber auch diese Herausforderung hat einen Haken: Um an ihr teilzunehmen, muss man sich ausdauernd, intensiv und zielstrebig vorbereiten.

„Man muss sich schon wirklich trauen“, sagt Andrea Palet Sabater. Die Oldenburger Musikpädagogin ist Geschäftsführerin für den Regionalentscheid Nord im bundesweiten Wettbewerb „Jugend musiziert.“ 88 Mädchen und Jungen haben es gewagt, sich im Oldenburger Kulturzentrum PFL einer prominenten Jury und in allen Räumen einer stattlichen Zahl von Zuhörern zu stellen. Darunter sind natürlich auch Talente, die schon in hochrangige Förderprogramme aufgenommen sind wie die ausgezeichneten Geiger Jakow oder Sofija Pavlenko. „Doch für viele ist es ein mutiger Schritt, da müssen sie erst mal tief durchatmen.“

Neunmal Höchstpunktzahl erreicht

46 mal wurde beim Regionalentscheid Oldenburg Nord für Oldenburg, Delmenhorst, Wilhelmshaven, Ammerland, Wesermarsch und Friesland ein erster Preis vergeben. Diesen gibt es für mehr als 20 Wertungspunkte. Neun Teilnehmer schafften sogar die Höchstpunktzahl von 25 Punkten. Der Landeswettbewerb findet vom 28. bis 31. März in Hannover statt. Der Bundeswettbewerb steigt dann vom 6. bis 13. Juni in Halle/Saale.

Für den Süden (Kreise Oldenburg, Cloppenburg, Vechta) findet der Regionalentscheid am kommenden Sonnabend (26. Januar) in Wildeshausen statt.

Doch niemand stürzt in dieser ersten Runde ab. Die Juroren vermitteln allen: „Wir wollen keine reine Perfektion, wir wollen spüren, wie euch Musik inspiriert, wie sie euch Freude macht.“ Entsprechend einfühlsam gehen die Richter hinterher in den Beratungsgesprächen mit jedem Solisten oder jeder Gruppe auf Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten ein. So wird der bei vielen erste große öffentliche Auftritt nicht zum verbissenen Leistungsnachweis. „Das Ziel ist erst einmal nicht der Preis, sondern das Erfolgserlebnis nach einer gemeinsamen Arbeit über längere Zeit“, weiß der Oldenburger Komponist und Pädagoge Christoph Keller als langjähriger Beobachter.

So empfinden es auch Anna-Sophie Grötzsch (Blockflöte), Laura Grimm (Oboe), Jonna Pörksen (Cello) und Niran Acar (Cembalo), die in der Altersgruppe III (12 bis 14 Jahre) als Ensemble für Alte Musik antreten. „Unsere Lehrer haben die Formation so zusammengestellt“, räumen sie ein. „Aber es war einfach toll, dass wir uns darauf eingelassen haben.“ Beim Gitarrentrio mit Fabian Pfaff (11), Leo Meckelnborg (10) und Rias Nazarenus (10) kam der Anstoß zur Freude von Lehrer Raphael Grotke von den dreien selbst. „Das klassische Instrument ist vielseitig, das geht bis zur E-Gitarre hin „, meinen sie. „Oft bleiben Ensembles, die sich jung gebildet haben, lange zusammen“, weiß Keller. „Gezielt etwas anzugreifen und das durchzuhalten, verbindet sehr.“

Im Regionalentscheid 2019, dem schon 56. insgesamt, dominieren diesmal die Solisten. Allein 14 Geigerinnen und Geiger spielen vor. Sie legen Hand an Sätze aus Stravinskys Suite italienne, Edouard Lalos Symphony espagnole oder Witold Lutoslawskis Partita und viele andere bunte Werke. Elf tiefere Streicher sind zudem im Einsatz. „Aber gesucht werden keine neuen Mozarts oder technische Hexenmeister“, betont Palet Sabater „Es geht grundsätzlich darum, zu motivieren und eine Gesellschaft durch Musik weiterzubilden.“

Die Geschäftsführerin selbst gibt dazu das beste Beispiel. Die Töchter Amaia (Cello), Melina (Querflöte) und Sohn Flynn (Fagott) sind im Einsatz. Sie selbst hat für sie das Stück „Lluny al mar – el pop“ komponiert. Ehemann Joaquim Palet, Hornist im Staatsorchester, hat „Ein Tag am Strand nach einer Geschichte von Tim Nocke“ extra für Tim Nocke, Hornist im Wettbewerb, geschrieben. Musik ist das halbe Leben, sagen Musikliebhaber gern. Bei den Palets könnte es sogar ein bisschen mehr ausmachen.

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