Hannover Loriot-Fans können von Sonntag an neue Seiten an Deutschlands berühmtestem Humoristen und Karikaturisten entdecken: Das Wilhelm Busch Museum in Hannover zeigt bis zum 17. August die Ausstellung „Loriot. Spätlese“ mit rund 250 bislang kaum bekannten Werken von Bernhard-Viktor „Vicco“ von Bülow (1923-2011) alias Loriot. Darunter sind frühe Zeichnungen für Zeitschriften wie „Quick“ oder „Stern“ aus den 1950er und 1960er Jahren. Ein ganzer Raum ist den Möpsen gewidmet, die teils im Stil großer Meister wie Raffael gezeichnet sind.

Zu sehen sind auch Porträts großer Deutscher wie Goethe und Schiller, Thomas Mann oder Richard Wagner mit Knollennase. Einige seiner frühen Zeichnungen seien von den Redaktionen abgelehnt worden, sagte Ausstellungskurator Peter Geyer. Anfangs seien seine Karikaturen als Tabubruch empfunden worden. „Er war seiner Zeit immer voraus.“

Loriot sei jedoch seinem Stil treu geblieben und habe sich auf die Wünsche der Zeitschriften nicht eingelassen: „Er hat es immer geschafft, sich nicht zu beugen.“ Er habe sich sein Publikum regelrecht erzogen, sagte Geyer: „Das ist eine Erklärung dafür, dass er so wichtig geworden ist für die Identität der Deutschen.“ Die Ablehnungsschreiben sind in der Ausstellung dokumentiert.

Die Schau zeigt auch Loriots legendäre Werbefilme aus den 1970er Jahren unter anderem für Tabak mit dem Slogan „Drei Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife, Stanwell“. Loriot sei Perfektionist gewesen und habe bis ins Kleinste alles selbst gezeichnet und selbst getextet, sagte Geyer: „Er wollte über alles die Kontrolle haben.“ Auch darin liege ein Geheimnis seines Erfolgs. Für die Filme habe sich Loriot ein eigenes Zeichenstudio eingerichtet, in dem auch die Figuren „Wum und Wendelin“ entstanden. Aus diesen Trickfilmen seien die späteren Film-Sketche hervorgegangen.

Präsentiert werden auch Geschenkblätter, die Loriot für Freunde und Verwandte zeichnete, und inszenierte Fotos seiner privaten Gäste, die er anstelle von Eintragungen ins Gästebuch aufzunehmen pflegte. Zudem zeigt die Ausstellung zahlreiche „Nachtschattengewächse“: Arbeiten, die in den schlaflosen Nächten seiner letzten Lebensjahre entstanden. Die Ausstellung lief bereits in München und im schwäbischen Waiblingen - Hannover ist ihre letzte Station.

Die Original-Exponate stammen überwiegend aus dem Besitz der Familie des Künstlers, sagte Museumsleiterin Gisela Vetter-Liebenow. Begleitend zu der Schau entstand das Buch „Spätlese“, in dem die ausgestellten Karikaturen nachgedruckt sind.

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