OLDENBURG OLDENBURG/HUS - Günther W. ist ein kranker Mann. Den ganzen Tag über fühlt sich der Träger eines Herzschrittmachers nicht gut, er ist schlapp, seine Gesichtsfarbe blass. Und das ausgerechnet jetzt, im Urlaub am Gardasee. Da klingelt sein Handy. Es meldet sich Dr. Steffen Kosian, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin im Pius-Hospital aus Oldenburg. Er rät seinem Patienten das Medikament anders zu dosieren, das er einnimmt, um die Folgen seiner Krankheit zu bekämpfen.

Utopie? Hexerei? Ist der Arzt Hellseher? Mitnichten, im Pius-Hospital ist zum ersten Mal ein Herzschrittmacher mit einem so genannten Home-Monitoring-System implantiert worden.

Nach Angaben von Oberarzt Dr. Steffen Kosian von der Inneren Klinik des Hospitals sendet das System mehmals täglich ein ausführliches Protokoll über den Gesundheitszustand des Herzpatienten an den behandelnden (Krankenhaus-)Arzt und meldet automatisch jede Unregelmäßigkeit des Herzens und jede Aktivierung des Schrittmachers. Das Sendegerät, das der Patient jeweils dort aufstellt, wo er sich selbst aufhält, ist nicht größer als ein altmodisches Handy.

„Wir sind also bestens über Häufigkeit und Dauer von Herzrhythmusstörungen oder Schrittmacherproblemen im Bilde“, sagt Kosian. „Und das, ohne dass unser Patient ständig zu zeitraubenden Untersuchungen anreisen muss – er kann seine Zeit vielmehr selbst bestimmt gestalten.“ Wenn der Arzt alarmierende Signale erhält, vereinbart er kurzfristig einen Termin mit dem Kranken oder bespricht eine veränderte Dosierung des Medikaments.

Herzschrittmacher mit „Home-Monitoring-System“ werden im Pius allerdings nicht zur Regelversorgung gehören, sondern nur bei Patienten mit bestimmten Formen von Herzrhythmus-Störungen implantiert. Die Kosten des Schrittmachers trägt die Krankenkasse, den Sender als Zusatzgerät gibt es als kostenlose Leihgabe der Klinik.

Das Home-Monitoring-Netz ist nach Angaben von Dr. Kosian schon heute in großen Teilen Europas, Asiens, Amerikas und Australiens erreichbar und wird immer weiter ausgebaut: „Herzpatienten können also weltweit auf Reisen sein und zugleich in der sicheren Behandlung durch den Arzt ihres Vertrauens.“ In der Bundesrepublik gibt es pro Jahr rund 25 000 Schrittmacher-Implantationen. 80 Prozent der Patienten sind älter als 60 Jahre.

Günther W. geht‘s einen Tag später schon wieder deutlich besser – dank der modernen Technik. Schöne neue Welt . . .

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