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BAD ZWISCHENAHN Praktisch in Vergessenheit geraten ist eine herausragende Kunstmalerin aus dem Oldenburger Land: Louise Droste-Roggemann (1865-1945) hat ihre Wurzeln in Bad Zwischenahn. Lediglich ein kurzer Artikel in der NWZ vom 21. November 1974 erinnert an eine einwöchige Ausstellung der Malerin in der Wandelhalle. Die Ausstellung wurde damals nicht etwa von der Gemeinde Zwischenahn organisiert, sondern in Eigeninitiative von einigen noch lebenden Verwandten der Künstlerin.

Mittlerweile liegt die Ausstellung über 34 Jahre zurück. Bemühungen, Arbeiten der Malerin noch einmal in der Öffentlichkeit zu zeigen, hat es in dieser Zeit nicht mehr gegeben, so dass Louise Droste-Roggemann nur ganz wenigen Kunstkennern in der Region bekannt ist. Wertvolle Informationen sind aufgrund der verstrichenen Zeit verloren gegangen. Der Verlauf ihres Lebens kann deshalb nur ansatzweise dargestellt werden.

Louise Roggemann kam am 20. Oktober 1865 in Bad Zwischenahn als eines von fünf Kindern des Fleischwarenfabrikanten Johann Roggemann (1826-1909) und dessen Ehefrau Anna Catharina geb. Rabben (1833-1912) zur Welt. Sie absolvierte die Schule in Bad Zwischenahn und fiel dort wegen ihres zeichnerischen Talents auf. Schnell fasste sie den Entschluss, sich zur Kunstmalerin ausbilden zu lassen. Die junge Louise hatte sich hervorragende Englischkenntnisse angeeignet und vertrat ihre Ansichten immer sehr selbstbewusst. Dennoch vergingen mehrere Jahre, bis sie ihre Eltern von ihrem Vorhaben überzeugt hatte.

Privater Unterricht

Ausschlaggebend war dabei offenbar, dass die junge Frau durch eine Erbschaft zu genügend Geld gekommen war, um nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch Reisen unternehmen zu können.

Um 1890 herum verließ die 25-Jährige ihr Elternhaus und reiste unter anderem nach Weimar und Dresden. In beiden Städten gab es Kunstakademien und damit akademisch ausgebildete Lehrer, die sich durch die Erteilung von privatem Mal- und Zeichenunterricht ihren Lebensunterhalt aufbesserten. Da Frauen an einer Kunstakademie in dieser Zeit noch nicht zugelassen waren, kam für sie nur ein privates Studium in Betracht.

Viele Studienreisen

Vermutlich hielt sich die Malerin im Zeitraum von 1890 bis 1891 in Dresden auf und lernte dort den Oldenburger Maler Bernhard Winter kennen, der sich 1887 als damals 16-Jähriger an die Kunstakademie Dresden begab und dort bis 1891 Malerei studierte. Für Winter war es in seinen jungen Jahren wohl mehr als nur eine Freundschaft zu Louise, denn er machte der Malerin ein von ihm gemaltes Ölgemälde zum Geschenk, das er auf der Rückseite mit einer sehr persönlichen Widmung versah.

Bis 1900 unternahm Louise Roggemann viele Studienreisen, auf denen sie Ölgemälde und Bleistiftskizzen schuf. Sie versah viele Bleistiftskizzen mit Ortsangaben, so dass nachvollziehbar ist, dass ihre Exkursionen sie unter anderem nach Schönhausen, an die Ostsee, nach Königstein, Berlin, Dresden/Halle, Leipzig, Weimar, Sonderburg/Dänemark, Magdeburg, Kiel-Holtenau, in die Berge und in skandinavische Länder führten.

Nach ihrer Rückkehr nach Bad Zwischenahn nahm die ausgebildete Landschaftsmalerin 1901 an zwei Ausstellungen im Oldenburger Kunstverein teil. Louise Roggemann lernte wenig später den aus Bremen stammenden Kaufmann Oskar Droste (1851-1941) kennen, der in Specken eine Torffabrik übernommen hatte. Mit der Heirat im Jahre 1902 führte Louise nunmehr den Nachnamen Droste-Roggemann. 1904 kam eine Tochter zur Welt.

Kontakt nach Dötlingen

Die Zwischenahner Malerin pflegte auch Kontakte in das Künstlerdorf Dötlingen. In den Sommermonaten 1905 besuchte sie den Dötlinger Maler Georg Müller vom Siel, der seit 1896 ständig im Dorf wohnhaft war. 1900 hatte er im Dorf eine private Malschule gegründet. Vor allem in den Sommermonaten hatte er Damen der Gesellschaft zu Gast, die er in der Landschaftsmalerei unterrichtete. Zu ihnen gehörte auch Louise Droste-Roggemann. Sie hat auch Dötlinger Motive gemalt, so eine Ansicht des Dorfes und die Dötlinger Landschaft.

Abkehr von der Malerei

Die Malerin nahm seit ihrer Rückkehr nach Bad Zwischenahn jede Gelegenheit wahr, in der freien Natur zu malen. Sie war dabei hauptsächlich mit dem Fahrrad unterwegs, um geeignete Motive zu suchen. In diese Zeit fallen auch die Besuche in Dötlingen bei Georg Müller vom Siel. In den folgenden Jahren ließ die künstlerische Betätigung der Malerin zusehends nach. Hausfrauliche Tätigkeiten und die Erziehung der Tochter vereinnahmten sie umso mehr.

1912 baute die Familie ein neues Haus an der Peterstraße. Droste-Roggemann gab die Malerei schließlich ganz auf. Die Heimatmalerin starb am 30. Dezember 1945 in Bad Zwischenahn. Sie fand auf dem Alten Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Moor- und heidemotive – Einfluss von Müller vom Siel

Louise Droste-Roggemann war eine Landschaftsmalerin. Themen ihrer Ölgemälde waren insbesondere unberührte Moor- und Heidemotive, wie sie das Ammerland und das Oldenburger Land zur damaligen Zeit reichlich besaßen. Sie hielt präzise Darstellungen einer damals noch intakten Natur auf Leinwand oder Holztafeln fest, wobei in vielen ihrer Bilder die Einflüsse des Malers Georg Müller vom Siel in ihrem Malstil zu erkennen sind. Ihre Arbeiten sind heute ein wichtiges Dokument vergangener Zeiten.

Die Gemälde und auch die Skizzen hat Louise Droste-Roggemann nie datiert, so dass kein verlässlicher Anhaltspunkt vorhanden ist, zu welcher Zeit sie sich an welchem Ort aufgehalten hat. Lediglich die Signaturen ihrer Bilder lassen erkennen, ob die Werke vor oder nach 1902 entstanden sind, zumal sie vor der Heirat mit Roggemann, ab der Heirat mit Droste signierte.

Autor Jürgen Derschewsky ist 53 Jahre alt, wohnt in Oldenburg und arbeitet bei der Kriminalpolizei. Seit Jahren interessiert ihn die regionale Malerei im Bereich Oldenburg. Derschewsky hat mit unmittelbaren Verwandten der Künstlerin gesprochen Er stellte auch das Bildmaterial bereit.

www.derschewsky.privat.t-online.de

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