Baumzelte Im Harkebrügge
Unter allen Wipfeln himmlische Ruh’

Eine Nacht im Wald unter freiem Himmel: NWZ-Mitarbeiterin Swantje Sagcob hat die Baumzelte im Barfußpark Harkebrügge getestet – und kehrte entspannt, ausgeruht und mit jeder Menge Waldwissen im Gepäck zurück.

Bild: Swantje Sagcob
Den Wald vor lauter Bäumen kann man kaum verfehlen. Atemberaubend natürlich ist der wunderbare Ausblick aus dem Zelt.Bild: Swantje Sagcob
Bild: Swantje Sagcob
Wieder was gelernt: An Stationen erfährt der Waldbesucher allerlei Wissenswertes über den Lebensraum.Bild: Swantje Sagcob
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Harkebrügge Der Wald hat etwas magisches. Von Bäumen geht eine ungeheure Kraft und Stärke aus. Sie wurzeln tief in der Erde, ragen hoch hinauf, stellen eine Verbindung zwischen Himmel und Erde her. Im Wald fühle ich mich geborgen, hier finde ich beim Spaziergang Ruhe von der Hektik des Alltags; hier kann ich umgeben von vielen Nuancen Grün neu auftanken, das Braun der Stämme und des leicht federnden Waldbodens erdet bei jedem Schritt mehr. Hier sorgt die Stille für Stille in mir.

Stille? Nicht ganz, denn das Wunder Wald steckt voller Leben! Das sanfte Wiegen der Baumwipfel, manchmal auch das knorrige Knarren der hohen Stämme, das leichte Knacken der Äste, das leise Rascheln im Gebüsch ist nur die zärtliche Grundmelodie, die mich schon kurz hinterm Eingang einfängt.

Geräusche gibt es noch viele mehr, doch erst einmal bekomme ich am Infostand von einer freundlichen Dame einen Prospekt und einen Kanister Wasser in die Hand gedrückt: „Nach der Station 7 können Sie die Quartiere nicht übersehen, suchen Sie sich das Passende aus. Wir sehen uns morgen um Frühstück ab halb zehn!“

Bepackt mit einem mit Isomatte, Schlafsack, Wechselkleidung, Sandwiches und Getränken, und nur wenigen Kultursachen bepacktem Rucksack mache ich mich neugierig auf den Weg. Ein paar Erwachsene reinigen sich gerade die Füße, Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz, andere haben es sich auf den Holzbänken unterm Sonnenschirm an den Tischen gemütlich gemacht, sind aber im Aufbruch begriffen, denn der Barfußpark schließt gleich.

Als Baumzelt-Gast hätte ich schon früher kommen können, doch ich habe diese Uhrzeit gewählt, wenn sich der Park ganz leert. Ich möchte einfach abschalten, ganz alleine und auf mich gestellt sein für dieses kleine Abenteuer. Auch die Wetterprognose ist dafür fantastisch – Regenwahrscheinlichkeit: null Prozent!

Vorsicht Wildschweine!

Ausgerüstet mit dem Wegeplan entdecke ich die ersten Barfußbecken, lasse sie noch bewusst links und rechts liegen, halte aber doch inne, als ich kleine Schilder an Bäumen mit Erklärungen zu Flora und Fauna entdecke. Ups, Wildschweine… gibt es die hier etwa auch? Gut, dass die Baumzelte in anderthalb bis zwei Meter Höhe sein sollen, da kann ja wohl nix passieren! Nach Station 7 brauche ich gar nicht mehr zu schauen, denn plötzlich entdecke ich trotz farblicher Tarnung sichtbar das erste Baumzelt mitten zwischen den Bäumen.

Aber wo sind die anderen? Ich folge dem verschlungenen Pfad an hohen Brennnesseln, prächtigen Farnstauden, Büschen und Bäumen vorbei, staune über das Barfußbecken mit Glassplittern und bin froh, meine Schuhe am Eingang anbehalten zu haben. Den Barfußweg spare ich mir für später auf.

Und dann sehe ich sie: drei Baumzelte in unterschiedlichen Größen sind relativ dicht zwischen starken Stämmen gespannt, doch links geht der Trampelpfad noch weiter und dort hängt es: mein Quartier! Das grüne Zeltdach lädt zum Erkunden ein. Und wie urig, der mit einem Code gesicherte Eingang befindet sich am Zeltboden.

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Ich stecke meinen Kopf neugierig in die Behausung, bis zur Hüfte reiche ich hinein. Ein paar Holzklötze am Boden als Erhöhung erleichtern den kleinen Aufstieg, abgestützt mit den Händen stemme ich mich schwungvoll in mein Nachtquartier, die Schuhe bleiben draußen.

Auf dem dreigeteilten Boden finde ich schließlich meine Kuhle fürs Nachtlager. So sehr die Zeltplane für einen sicheren Schutz vor nächtlichen Waldungeheuern sorgen würde, so sehr wünsche ich mir einen freien Blick nach oben. Kurzerhand löse ich die Haken, entferne das schöne grüne Zeltdach und verlasse mich mutig auf den feinlöchrigen Gitterschutz des Innenzeltes.

Einfach fallenlassen

Ein zweites Mal heißt es, hochschwingen ins Zelt. Ich lasse mich nicht nur auf den Zeltboden fallen, sondern auch in diese Traumwelt um mich herum, entspanne die Muskeln, verscheuche meine Gedanken, tauche ein ins Blätterwerk, horche auf die Geräusche, die mich umgeben. Leider kann ich die munteren Vogelstimmen nicht auseinanderhalten, aber das brauche ich auch nicht – diese Klänge sind einzigartig.

Doch ich bin nicht aus der Welt: Autos, deren Reifen kurz vor Harkebrügge vom glatten Asphalt aufs Kopfsteinpflaster treffen, in der Ferne höre ich Applaus der Fußballfans aus dem Waldstadion. Ganz so leise wie gedacht, ist es noch nicht. Also ziehe ich meine Schuhe wieder an, um den Barfußpfad ein erstes Mal zu erkunden. In der Abenddämmerung gehe ich lieber auf Nummer sicher.

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Die letzten Sonnenstrahlen des Tages suchen sich ihren Weg durch die lichten Stellen und tauchen den Wald in ein bezaubernd warmes Licht. Der weiche Waldboden verschluckt meine Schritte, der gut ausgeschilderte Pfad schlängelt sich durch das Waldstück. Als ich nach ausgiebigem Spaziergang plötzlich links des Wegs mein Baumzelt entdecke, bin ich heilfroh und klettere in meine kleine Höhle und mache es mir im Schlafsack gemütlich.

Inzwischen kann ich meine Umgebung nur noch durch helle und dunkle Farbnuancen unterscheiden, die Farben der Bäume wechseln in Grau- und Schwarztöne, leider verdeckt ein Wolkenschleier den Sternenhimmel.

Nacht ohne Geräusche

2.12 Uhr zeigt die Uhr, als ich plötzlich aufwache. Es ist stockfinster, nur dunkle Schattenrisse trennen die Baumwipfel vom Nachthimmel. Es ist windstill und so leise, als ob wirklich alles schläft. Kein Knacken, kein Tierlaut, keine unbekannten Geräusche sind zu hören, nur meinen ruhigen Atem spüre ich. Fast unwirklich. Und trotzdem keineswegs langweilig, sondern einfach fantastisch dieses Gefühl, unter Bäumen schwebend zu ruhen. Erst mit der Dämmerung wache ich wieder auf – völlig entspannt und ausgeruht genieße ich den Tagesanbruch.

Putzmunter mache ich mich auf den Barfußpfad – diesmal natürlich barfuß. Wirklich sehr empfehlenswert. Am Ende nehme ich nicht nur meine Fußsohlen ganz intensiv wahr und weiß, dass Glassplitter hier längst nicht so schmerzhaft unter den Fußsohlen sind wie Granitsplitter, dank der vielen Entdeckungsspiele und Infotafeln für Groß und Klein habe ich auch jede Menge Waldwissen im Gepäck.

Der Rucksack ist schnell gepackt, das Baumzelt wieder mit der kräftig grünen Zeltwand abgedeckt und die morgendliche Katzenwäsche erledigt, als ich mich mit einem Bärenhunger zum Ausgang aufmache. Halb zehn ist für mich ein spätes Frühstück – mit einem fröhlichen Hallo erwarten mich frische Brötchen und duftender Kaffee. Die Wartezeit ist schnell vergessen. Nur schade, dass mein Baumzelt-Abenteuer damit auch schon zu Ende ist.

Allzu gerne würde ich eine zweite Nacht hier verbringen – doch es geht leider nicht. Vielleicht teile ich beim nächsten Mal das Zelt mit anderen. Oder ich verschenke einen Gutschein an jemandem, dem ich auch diese himmlische Ruhe unter Wipfeln gönne.

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