Oldenburger Land Paule Witzig braucht keinen Dolmetscher. Der Oldenburger Straßenkünstler macht Integrationsarbeit auf seine Art. Er fährt in eine Flüchtlingsunterkunft, packt seine Gitarre aus und fängt an zu singen. „My Baby, Baby, balla balla“ klingt es kurz danach laut und vernehmlich durch die Unterkunft – und mindestens ein Dutzend junger Männer singt voller Begeisterung mit, vergisst für einen kleinen Moment die Sorgen und die Zukunft, lässt die teilweise schlimmen Erinnerungen für den Augenblick zurück, genießt einfach die nette Geste des Straßenkünstlers.

Die Willkommenskultur lebt. Trotz aller Sorgen und Bedenken machen sich überall im Land Menschen auf, Neuankömmlingen zu helfen, ihnen den Start in einer neuen Heimat zu erleichtern.

Ein mächtiges Zeichen dieser Willkommenskultur im Oldenburger Land setzten die Leserinnen und Leser der NWZ  in den vergangenen Monaten im Rahmen der Weihnachtsaktion 2015. Unter dem Motto „Kinder helfen Flüchtlingskindern“ war um Spenden für Flüchtlingsintegration gebeten worden. Mit dem Geld sollen Vorhaben finanziert werden, die es Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien erleichtern, sich im Oldenburger Land zurechtzufinden.

Insgesamt wurden während der Weihnachtsaktion 286 067,99 Euro auf die Spendenkonten überwiesen. Beteiligt waren mehr als 2000 private Spender, aber auch zahlreiche Firmen, Schulen und Kindergärten, Vereine, Kirchengemeinden und andere Gruppierungen sowie unterschiedlichste Musikgruppen, die sich mit Konzerten und Auftritten unter freiem Himmel für die Aktion einsetzten.

Partner der NWZ -Weihnachtsaktion waren in diesem Jahr das Diakonische Werk der evangelischen Kirche für das Oldenburger Land, der katholische Landescaritasverband für das Oldenburger Land, der Bezirksverband Weser-Ems der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die vier großen Wohlfahrtsverbände haben für die Weihnachtsaktion einen gemeinsamen Kriterienkatalog für die Mittelvergabe entwickelt.

Bei der symbolischen Geldübergabe am Mittwoch im Oldenburger NWZ -Medienhaus unterstrich Thomas Feld, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes, wie stark ausgeprägt die Willkommenskultur im Oldenburger Land sei. Dies lasse sich deutlich an dem hohen Spendenergebnis ablesen. Dr. Lothar Knippert, ehemaliger Oberkreisdirektor des Landkreises Friesland und stellvertretender Vorsitzender des AWO-Bezirksverbandes, formulierte seinen Dank an alle Spender. Es gebe bereits interessante Projekte, die mit den Spendengeldern umgesetzt werden könnten. Es sei der richtige Weg, die Integration über die Kinder der Flüchtlingsfamilien zu betreiben.

DRK-Präsident Dieter Holzapfel äußerte sich „froh und dankbar“, dass mit der Spendenaktion zahlreiche Vorhaben in den verschiedenen Kreisverbänden des Roten Kreuzes unterstützt werden könnten. Der frühere Oldenburger Oberbürgermeister hatte selbst einen besonderen Einsatz im Rahmen der Weihnachtsaktion, als er im Januar ein Sinfoniekonzert mit dem Pianisten Justus Frantz als Solist in der Christuskirche Harpstedt (Landkreis Oldenburg) dirigierte.

Prälat Peter Kossen, ständiger Vertreter des Weihbischofs in Vechta und Vorsitzender des oldenburgischen Caritasrates, verwies darauf, wie wichtig es sei, dass die teilweise vorhandene „mentale Angst“ der Menschen überwunden werde: „Wenn es konkrete Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gibt und die Zufluchtssuchenden auf diese Weise ein Gesicht bekommen, geht die Angst weg.“ Dies gelte übrigens auch für die als moderne Sklaven ausgebeuteten Werksvertragsarbeiter aus Osteuropa.

Die Vertreter aller Verbände berichteten überdies, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen im Nordwesten ungebrochen sei. Nahezu täglich meldeten sich ungebundene Helfer, die beispielsweise als Dolmetscher in der Sprachförderung eingesetzt würden. Die Helfer kämen aus allen Berufsgruppen und sorgten für eine hohe Qualität der Arbeit.

Zu den geplanten Projekten gehören neben der Sprachförderung auch Freizeiten für Flüchtlingsfamilien und bedürftige deutsche Familien, verschiedene Besuchsprogramme zum Kennenlernen des Oldenburger Landes, Sport- und Kulturangebote.

Die NWZ  wird in den kommenden Monaten kontinuierlich über die verschiedenen Vorhaben berichten. Denn die Weihnachtsaktion ist nicht vorbei, sondern nur in einer neuen Phase.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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