BOKEL Auch wenn es bereits 1866 angefangen hat und deshalb das Verdienst um die Entstehung dem Hauptlehrer und Organisten Theodor Dirks aus Golzwarden in der Wesermarsch gebührt: „De plattdüütsch Klenner“, ein Kalender mit plattdeutschen Geschichten und Gedichten, wie man ihn auch heute noch kennt, erschien erstmals 1922. Für das Jahr 2011 ist er nun zum 78. Mal herausgekommen: Der Ortsbürgerverein Wiefel­stede hat ihn jetzt in Wiefelstede vorgestellt.

Walter Pieper aus Bokel hat sie fast alle, die „Klenner“ seit 1922. Nur 1939 fehlt ganz – und von 1941 hat er bisher nur eine Kopie. Alle anderen hat er aufgereiht in seinem Haus in Bokel – mit „dat Schienfatt“ vorn auf dem Einband. Die Laterne gibt es von Beginn an auf dem Büchlein. Sie sollte wohl in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und kurz nach Ende des 1. Weltkriegs den Lesern die dunkle und schwere Zeit erhellen.

„Wie die Geschichten im Klenner“, sagt Pieper, der gemeinsam mit Ehefrau Gerda und mit Silke Helms-Slagelambers aus Petersfehn entscheidet, was jedes Jahr an Geschichten reinkommt in das Büchlein, dass seit 1922 lediglich in der Zeit von 1942 bis 1953 nicht erschienen ist: Denn die drei sind „de Klennermakers“.

Herausgegeben wird das Büchlein vom Ollnborger Kring. Er wurde 1921 gegründet und hat sich der Pflege des niederdeutschen Kulturgutes verschrieben. Gut 200 Geschichten trudeln jedes Jahr „bi de Klennermakers“ in Bokel ein – und es ist an den Dreien, die jeweilige Auswahl für den aktuellen Klenner zu treffen.

Selbst aus Uruguay, den USA und Aus­tralien sind schon mal Geschichten „up Platt“ eingetrudelt. Und überhaupt ist – national gesehen – der Klenner eigentlich stets zumindest ein Sammelsurium verschiedener Plattdeutsch-Varianten: Oldenburger, Ammerländer, Ostfriesisches, Hamburger, Südoldenburger, Münsterländer oder Holsteiner Platt sind munter vereint, sagt Pieper, dessen Adresse bereits seit 15 Jahren eben „De Postkasten van de Klennermakers“ ist.

Dass das so überaus beständige Büchlein auch gelesen wird, belegt schon die Auflage: Mehr als 5000 Stück werden auch für 2011 wohl wieder verkauft werden, weiß Pieper aus Erfahrung. 80 bis 85 Geschichten werden mittlerweile in jedem Klenner veröffentlicht.

„Mehr Autoren und damit mehr, aber kürzere Geschichten als früher“, gibt Pieper die Marschrichtung in einer allgemein hektischeren Zeit vor. Differenzen zwischen den Klennermakers bezüglich der Auswahl gibt es so gut wie nicht. Pieper: „Meistens sind wir uns einig“.

Dass es 1866 schon mal einen „Klenner“ gab, ist der Tatsache geschuldet, dass Hauptlehrer Theodor Dirks aus Golzwarden in der Wesermarsch mit den 500 Talern, die er im Jahr als Lehrer in Burhave verdiente, nicht hinkam bei einer Familie mit fünf Kindern. Um sich etwas dazuzuverdienen, schrieb er plattdeutsche Geschichten. Und letztlich erschienen – unter einem Pseudonym – bis 1871 insgesamt sechs Klenner aus seiner Feder.

In der Tat beruft sich der Ollnborger Kring mit „seinem“ Klenner denn auch auf die Idee von Theodor Dirks. Für Walter Pieper jedenfalls ist auch angesichts der Auflage des „Plattdüütsch Klenner“ in heutiger Zeit klar: „Die Sprache lebt“.

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