Oldenburg Kaum ist das große Filmfest Oldenburg vorbei, folgt das kleine: Vom 3. bis 8. November laden die Gruppe Rollenwechsel des Lesben- und Schwulenvereins „Na Und“ sowie das „Cine K“ in die Kulturetage zum „7. Queer Film Festival“ ein. Einer von rund zehn Festival-Filmen ist „Liebmann“. In Jules Herrmanns Langfilmdebüt geht es nicht vordergründig ums Schwul- oder Lesbischsein. Es geht um den Lehrer Antek (Godehard Giese, Im Sommer wohnt er unten), der nach einem traumatischen Erlebnis nach Südfrankreich reist. Was genau passiert ist, lässt Regisseurin Jules Herrmann lange offen. Es ist ein Rätsel. Können seine neuen, fürsorglichen Nachbarn Antek helfen? Oder sein neuer, lebensfroher Freund Sébastien? In eindrucksvollen Bildern erzählt Herrmann von Anteks Leben in der kleinen Künstlerresidenz.

Ein Pfau-Gefieder als Eröffnungsszene, erzählerische Exkursionen, ein roter Filter über dem Bild des leidenden Liebmann – so besonders die Filmsprache, so besonders war auch die Entstehung des Films. Die Idee entstand innerhalb eines Monats, der Dreh in Südfrankreich dauerte drei Wochen. Ein Drehbuch im klassischen Sinne gab es nicht. „Wir haben morgens gesund und lecker gefrühstückt und sind dabei den Plan für den Tag durchgegangen“, erzählt Herrmann. Die Details habe sie mit Hauptdarsteller Godehard Giese festgelegt. Die Dialoge wurden mit allen Schauspielern zusammen vor der Kamera entwickelt. „Es war eine Mischung aus Auswendiglernen und Improvisieren“, sagt Herrmann – eine große Herausforderung.

Beim queeren MIX-Festival in Mailand belegte Jules Herrmann mit „Liebmann“ den dritten Platz. Auch für den Teddy Award, den queeren Filmpreis der Berlinale, war der Film nominiert. „Ich finde es schade, dass in vielen Mainstream-Filmen Homosexualität noch immer nicht als selbstverständlich dargestellt wird“, sagt Herrmann. Der Schwule sei meistens der lustige Sidekick oder der beste Freund. Das entspricht nicht der Realität. „Im richtigen Leben gibt es mehr homosexuelle Menschen als in Filmen“, sagt Herrmann. Oft würde der Umgang mit Homosexualität immer noch problematisiert. Auch das sei heute nicht mehr die Realität.

Regisseurin Jules Herrmann (Foto: Sebastian Krügler)
„Wir sollten keine zu große Differenz aufmachen zwischen einem Nischenfilm und einem Film für alle.“ So könne man auch die erreichen, die sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen möchten oder es gar ablehnen. „Es ist wichtig, dass man ihnen in Filmen eine Gesellschaft zeigt, in der Homosexualität normal ist“, sagt Herrmann. Braucht man denn dann überhaupt noch einen Festival für queere Filme? Einen extra Preis? „Ja“, meint Herrmann. „Denn queere Filme werden immer noch zu wenig wahrgenommen.“

Beim Queerfilm-Festival in Oldenburg sind rund zehn Filme zu den unterschiedlichsten Themen zu sehen – Coming-out, Transsexualität, Regenbogenfamilien. In einigen Filmen steht die queere Thematik stark im Vordergrund, in anderen ist sie nur ein Element der Handlung – wie zum Beispiel in „Kein Zickenfox“, einem Film über ein Frauenblasorchester, in dem viele „normale“ Frauen zusammentreffen . Zusätzlich zu den langen Spielfilmen stehen am Samstag, 5. November, um 20 und 22 Uhr, Kurzfilme auf dem Programm.

Auftaktfilm am Donnerstag, 3. November, um 20 Uhr, ist „Kater“ des österreichischen Regisseurs Klaus Händl, der in diesem Jahr den Teddy Award in Berlin gewann. Der Eintritt ins Kino kostet jeweils 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Das komplette Programm zum Queerfilm-Festival gibt es hier:

PDF-Datei: Programm zum 7. Queer Film Festival

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Inga Wolter stv. Ltg. / Online-Redaktion
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