OLDENBURG Die besten Geschichten und Anekdoten von und über Horst Janssen (1929–1995) wissen immer noch die zu erzählen, die ihn selbst erlebt und nicht selten auch erlitten haben. Von seiner Liebe zu Oldenburg können sie berichten, wo er eine glückliche Kindheit verlebte, von seinen amourösen Verbindungen, die stets einen neuen Abschnitt in seinem Werk einleiteten, oder den Tagen, an denen er mal wieder in ein Schnapsglas gefallen war. Zeitzeugen sind eine schier unerschöpfliche Quelle, die der Förderverein des Oldenburger Horst-Janssen-Museums derzeit in bester Absicht anzapft.

Mit dem Projekt „Zeitzeugen von Horst Janssen“ möchte der Verein der Freunde und Förderer des Horst-Janssen-Museums das Wissen all jener Menschen, die dem genialen Zeichner und Grafiker nahe standen, dauerhaft sichern. Dazu werden sie nacheinander im Laufe dieses Jahres gebeten, vor laufender Kamera sowohl das künstlerische Schaffen als auch die schillernde Persönlichkeit Horst Janssens zu schildern.

Lange Wunschliste

Die drei wichtigsten Oldenburger Zeitzeugen – Dr. Dr. Ummo Francksen, Manfred Meins und Helga Meyer-Schomann – haben ihren „Drehtag“ bereits hinter sich. Die erste Quintessenz aus diesen Interviews ist nach den Worten des Projektleiters und Vereinsvorsitzenden Michael Kroos der ausgeprägte Bezug Janssens zu der Stadt seiner Kindheit. „Ich hatte gar nicht gewusst, dass er – bis auf eine Ausnahme – bei all seinen Oldenburger Ausstellungen zur Eröffnung anwesend war“, sagt er. Das war bei dem Egomanen keineswegs üblich.

Als Nächstes ist geplant, auch die Hamburger Zeitzeugen aufzusuchen. Insgesamt 70 Personen stehen auf der Wunschliste des Fördervereins – Museumsleiter, Galeristen, Verleger, Janssens Frauen und seine Kinder, Sammler sowie Freunde und Weggefährten. Viele hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sagt Kroos. Besonders bemerkenswert findet er, dass die Sponsoren des Projektes nicht nur aus Oldenburg kommen, auch die Stiftung Niedersachsen in Hannover und die Hamburger „Kunststiftung Christa und Nikolaus Schües“ unterstützen den Verein.

Auf DVDs konserviert

Das Filmmaterial wird im Anschluss an die Interviews geschnitten und auf DVDs konserviert. An eine künstlerische Bearbeitung ist zunächst nicht gedacht. Die Materialsammlung – großes Vorbild sind nicht zuletzt Steven Spielbergs Interviews mit Schoah-Überlebenden – bleibt Kroos zufolge im Museum und soll für eine spätere wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung stehen, die noch konzipiert werden muss. Letztlich ein Projekt mit offenem Ausgang, das nicht gerade zur üblichen Vorgehensweise eines Museums gehört, aber im Falle Janssens spannende Ergebnisse verspricht.

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Horst Janssen verlebte in Oldenburg eine glückliche Kindheit und erhielt 1992 die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Auf seinen Wunsch hin wurde er 1995 auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof beigesetzt.

Derzeit gibt es noch eine Reihe von Personen, die ihn erlebt haben und über die gemeinsame Zeit sowie von seiner Arbeitsweise erzählen können. Um alles zu strukturieren, wurde die Interviewform gewählt.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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