OLDENBURG Wenn das Klischee stimmt, dass die Harfe das Instrument der Engel ist, dann spricht mit der Orgel folglich Gott selbst. In dieser Kombination lädt die himmlische Musikabteilung für den 21. Februar in die Oldenburger Lambertikirche ein. Harfenistin Annika Wirth und Organist Tobias Götting erforschen im Zusammenspiel einen ungewöhnlichen Tonraum.

Das nicht alltägliche Programm hat inzwischen Gestalt gewonnen. „Den Franzosen zugeneigt“ nennt es die Soloharfenistin des Oldenburgischen Staatsorchesters. „Das liegt an der Literatur.“ Debussys Tänze für Harfe und Streicher erklingen entsprechend bearbeitet. Da hat sich Annika Wirth bei Kolleginnen umgehört: „Mit der passenden Registrierung auf der Orgel passt das wunderbar.“ Von Cesar Franck reicht es aber auch über Alfred Holy bis zu Dewey Owens.

Annika Wirth ist Ungewöhnliches gewohnt. Über viele Jahre hat sie sich in Kammerensembles für Neue Musik engagiert, eine Vielzahl von Werken mit uraufgeführt. Die Harfe hat in der Neuen Musik Gewicht. „Es wird viel mit perkussiven Klängen gearbeitet, und die lassen sich auf der Harfe gut erzeugen“, meint sie.

Dem Klang der Harfe wird auch therapeutische Wirkung nachgesagt. „Die Schwingungen tun dem menschlichen Körper gut“, bekunden Therapeuten. Die Harfensaiten beginnen sogar manchmal bei einem starken Orchester-Forte zu vibrieren. „Wenn ich mit den Händen ständig dämpfen muss, obwohl ich gar nicht spiele, bringt mir das erstaunte Blicke und Nachfragen aufmerksamer Konzertgänger ein“, weiß die Oldenburgerin.

Keineswegs ist die Harfe ein einfach auf den Kopf gestelltes Klavier. Die 47 Saiten, deren Spannung mit sieben Pedalen um jeweils zwei Halbtöne verändert wird, werden nur mit vier Fingern gespielt. „Der kleine Finger ist zum Greifen zu kurz“, erläutert Annika Wirth. Ihre eigene Arm-Reichweite bringt ihr den Vorteil, auch die tiefste Bass-Saite gut zu erreichen. Dennoch hat ihr die verzogene Sitzhaltung an der Harfe schon Rückenprobleme bereitet. Ohne sportlichen Ausgleich und Rückenschule ginge es nicht, merkt sie an.

2001 ist die gebürtige Berlinerin zum Staatsorchester gekommen. Nach dem Studium hatte sie vor allem der Unterricht bei der renommierten Ursula Holliger in Freiburg und bei Anne Hütten in Mannheim nachhaltig geprägt. Zur Kammermusik-Praxis kam früh Orchestererfahrung vom Gustav-Mahler-Jugendorchester über das Orchester des Staatstheaters Stuttgart bis zum Deutschen Symphonieorchester Berlin und unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Pierre Boulez, Kent Nagano oder Marek Janowski.

„Die Freiheit der Gestaltung, etwas zu dehnen, besonders zu phrasieren oder ein Arpeggio, einen gebrochenen Akkord also, gut zu platzieren“, schätzt sie bei allem Zwang zur Akkuratesse im Orchesterspiel. Der Ton, einmal erzeugt, wächst ja nicht mehr wie bei einem Streich- oder Blasinstrument. „Man muss auch geschickt abdämpfen können, um wirklich Klarheit zu erzielen.“

In Musikkreisen bürgt der Name Annika Wirth für Qualität, Musikalität und Offenheit. Seit fünf Jahren fordert etwa die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen die Oldenburgerin an, wenn Harfenpartien zu besetzen sind. Solche Aufträge kommen einem Ritterschlag gleich. „Dass man solche anregenden Erlebnisse ab und an braucht“, räumt sie gern ein.

Nun aber erst einmal Harfe und Orgel. „Da bin ich richtig neugierig“, sagt sie vor dem Konzert innerhalb der Veranstaltungsreihe „Oldenburg – Stadt der Wissenschaft“. Wie greift das alles klanglich ineinander? „Erst kurz vorher lässt es sich proben, und das muss dann ganz kompakt geschehen“, lautet die Marschroute. Eine Harfe kann man nicht einfach jeden Tag zwischen Theater und Lambertikirche hin- und herschleppen.

Vor einem himmlischen Konzert stehen also ganz irdische Mühen.

Karteninfo: www.lamberti-

kirchenmusik.de.

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