Los Angeles Es ist die 87. Oscar-Verleihung, die an diesem Sonntag in Hollywood über die Bühne geht (Gala in Deutschland in der Nacht zum Montag ab 2.30 Uhr). Wichtiges in Fragen und Antworten:

Wie würde man die Oscars 2015 vorab in drei Sätzen zusammenfassen?

Bei den Oscars steht die Broadway-Groteske „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ im Rampenlicht - sie verspottet Hollywood und doch ist sie neunmal nominiert. Das sechsmal nominierte Jugenddrama „Boyhood“ könnte der Komödie aber die Show stehlen. Über zwölf Jahre hinweg filmte Richard Linklater mit einem Mini-Budget die Lebensetappen eines Jungen in Texas.

Welches Werk wird bester Film?

Die acht Kandidaten in der Kategorie „Best Picture“, also „Bester Film“, sind stark. Viele denken, es werde auf „Birdman“ oder „Boyhood“ hinauslaufen. Kompromiss könnte sein: „Birdman“ bester Film, Regie-Preis für Linklater und „Boyhood“. Die anderen Kandidaten sind: „American Sniper“ (von Clint Eastwood), „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (über das Leben von Stephen Hawking), „Grand Budapest Hotel“ (mit deutscher Produktionsbeteiligung), „The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben“ (über den schwulen Mathematiker Alan Turing), „Selma“ (ein Martin-Luther-King-Biopic) sowie „Whiplash“ (ein Drama über einen autoritären Musiklehrer).

Was spricht für und was gegen „Birdman“?

„Birdman“: Ein irre werdender Ex-Hollywoodstar buhlt darin mit einem Theaterstück am New Yorker Broadway um Anerkennung. Damit trifft der Film des in Mexiko geborenen Alejandro González Iñárritu bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences entweder voll ins Schwarze oder aber auf Abwehr. Viele der mehr als 6000 Wahlberechtigten haben womöglich Mitgefühl mit der vom 63-jährigen Michael Keaton verkörperten Hauptfigur. Im Gremium (Männer-Anteil über 75 Prozent) ist man jedenfalls im Schnitt auch 63 Jahre alt.

Welche Stars könnten in den Schauspielerkategorien abräumen?

Endlich dran beim Hauptrollen-Oscar ist womöglich Julianne Moore (54) - im berührenden Film „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“ brilliert die Schauspielerin, die Teile ihrer Jugend in Deutschland (Frankfurt am Main) verbrachte, als eine Professorin mit Alzheimer. Bei den männlichen Hauptrollen könnte der frühere Batman-Darsteller Michael Keaton (63) mit seiner „Birdman“-Leistung gewinnen. Auch der Brite Eddie Redmayne (33), der sich in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ in den Physiker Stephen Hawking verwandelt, hat gute Chancen. Benedict Cumberbatch (38) als Mathematiker Alan Turing gilt trotz Hypes als Außenseiter. Bei den Nebendarstellern sollten wohl Patricia Arquette (46) als Mutter in „Boyhood“ und J.K. Simmons (60) als aggressiver Musiklehrer in „Whiplash“ eine Dankesrede parat haben.

Was wäre die dickste Überraschung?

Erstaunlich wäre es, wenn „American Sniper“ plötzlich nach vorn schießen würde. Das patriotische Drama von Hollywood-Veteran Clint Eastwood über den US-Scharfschützen Chris Kyle (Bradley Cooper) hat sechs Nominierungen. Der Film ist der einzige der acht Kandidaten in der Königskategorie „Bester Film“, der an den Kinokassen richtig Geld macht. Aber ein typischer Oscar-Film ist der Blockbuster nicht.

Gibt es deutsche Hoffnungen?

Ja, aber eher kleine. Der vorher zweimal nominierte Wim Wenders (69, „Buena Vista Social Club“, „Pina“) könnte in der Sparte „Beste Dokumentation“ mit seinem Film „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado gewinnen. Chancen hat auch die Doku „Citizenfour“ über Whistleblower Edward Snowden, die der NDR und der BR mitproduzierten. Zudem könnte der in den USA lebende gebürtige Frankfurter Hans Zimmer („Der König der Löwen“) den zweiten Oscar als Filmkomponist holen, diesmal für „Interstellar“. Beim neunmal nominierten „Grand Budapest Hotel“ hofft das Studio Babelsberg in Potsdam mit, denn die Komödie von Wes Anderson über ein Hotel im Europa der Zwischenkriegszeit wurde von ihm mitproduziert und zum Teil in Deutschland gedreht, etwa in Görlitz.

Wer moderiert dieses Jahr die Oscar-Gala?

Der Schauspieler Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“) fungiert als Host (Gastgeber). Der 41-Jährige folgt Ellen DeGeneres (57), die letztes Jahr in erster Linie mit dem Star-Selfie mit Jennifer Lawrence, Brad Pitt oder auch Bradley Cooper in Erinnerung blieb. „Das Oscar-Selfie vom vergangenen Jahr hängt wie eine schreckliche dunkle Wolke über mir“, scherzte Harris diese Woche in Ellens Talkshow über den Twitter-Hit. „Wie soll man das Selfie schlagen, das das Internet zum Absturz brachte?“

Welche Promis dürfen Oscar-Gewinner verkünden?

John Travolta darf trotz einer verpatzten Ansage im Vorjahr wieder auf die Bühne. Auch Jennifer Aniston, Jennifer Lopez, Sienna Miller, Cate Blanchett, Dakota Johnson, Scarlett Johansson, Nicole Kidman, Shirley MacLaine, Jared Leto, Matthew McConaughey und Chris Pratt gehören zu den sogenannten Presentern. Im vorigen Jahr blamierte sich „Pulp Fiction“-Star Travolta: Auf der Oscar-Bühne sollte er Idina Menzel vorstellen, Sängerin des Hits „Let It Go“ aus dem Zeichentrickfilm „Die Eiskönigin - Völlig unverfroren“. Vor dem Millionenpublikum sagte Travolta jedoch „Adele Dazeem“.

Wer kennt die Oscar-Preisträger schon?

Die Academy-Stimmzettel sind abgegeben und ausgewertet. Mitarbeiter der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers zählen sie aus. Am Ende kennen nur zwei Mitarbeiter den Ausgang der Wahl. Die streng gehüteten Ergebnisse in 24 Kategorien werden in verschlossenen Umschlägen direkt zur Preis-Gala gebracht.

Wie sind die Oscars als Fernsehshow?

In Deutschland gucken die nächtliche Oscar-Show immer nur ein paar Hunderttausend Menschen live bei ProSieben. In den USA zur besten Sendezeit am Sonntagabend (Los Angeles 17.30 Uhr, New York 20.30 Uhr) schauten 2014 etwa 43 Millionen zu, der beste Wert seit zehn Jahren. Zum dritten Mal in Folge war die Zahl gestiegen. Traditionell ist die Oscar-Verleihung im US-Fernsehen die meistgesehene Sendung des Jahres nach dem Superbowl (mit um die 100 Millionen Zuschauern).

Wohin geht wohl der Auslands-Oscar?

Favorit als bester fremdsprachiger Film ist Russlands „Leviathan“. Erzählt wird die Geschichte einer Familie in Murmansk, die in einem Konflikt mit einem korrupten Bürgermeister alles verliert. Das Werk von Regisseur Andrej Swjaginzew wurde schon bei den Golden Globes als bester ausländischer Kinofilm gekürt. Russische Patrioten werfen Swjaginzew vor, er ziehe sein Land in den Dreck, um bei westlichen Galas und Festivals Trophäen abzuräumen.

Warum heißt der Oscar nochmal Oscar?

Seinen heute üblichen Namen verdankt der seit 1929 verliehene Preis der Bibliothekarin und späteren Academy-Direktorin Margaret Herrick. Die Statue (35 Zentimeter hoch, vier Kilogramm schwer, goldüberzogen) sehe ihrem Onkel Oscar ähnlich, soll sie gesagt haben. 1939 ließ die Akademie den Spitznamen zu.

Wo genau findet die Gala statt?

Seit 2002 geht die Show in einem Veranstaltungs- und Konzertsaal am Hollywood Boulevard (Walk of Fame) über die Bühne. Er heißt Dolby Theatre. Bis 2012 lautete der Name Kodak Theatre. Frühere Verleihungsorte waren diverse Hotelsäle, später auch das Shrine Civic Auditorium oder die Konzerthalle Dorothy Chandler Pavilion (heute LA Opera).

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