Warfleth Mit seiner Höhenlage erregt Warfleth, der Ortsteil der Gemeinde Berne im Landkreis Wesermarsch, kaum Aufsehen. Drei Meter über Null geben nicht viel her, die Weser steht kaum niedriger. Doch die heimelige Konzertkirche St. Marien direkt am Deich hat sich längst in einen kultigen Raum zum Abheben in musikalische Hochgebirge entwickelt. Die aktuellen Überflieger: Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Florian Donderer (Violine).

Als Duo fliegen der Konzertmeister und die Stimmführerin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen synchron. Doch Donderer schwingt sich in seinem Soloflug vielleicht am höchsten und weitesten. Der Geiger spielt die Partita d-Moll BWV 1004 von Johann Sebastian Bach hochkonzentriert, formell glänzend strukturiert, ungemein fantasievoll.

Doch was heißt hier schon „spielt“? Donderer geht in der ausgedehnten Chaconne, diesem durchdringendsten aller Violin-Stücke, selbst auf. Hell und leuchtend wirkt sein Ton. Und inmitten aller vertrackten Introvertiertheit stiehlt sich verschämt mancher Lichtstrahl in die Schatten der Bachschen Gefühle und Gedanken.

Bisweilen spröder Ton

Im Programm „Solo Solo, Duo Duo“ geht Tanja Tetzlaff die eine Solo-Aufgabe reservierter an. In Bachs dritter Cello-Suite C-Dur BWV 1009 stimmt die große Linie ebenso wie die Binnenstruktur. Doch der Ton bleibt etwas spröde, es kommt der innere Swing dieser tänzerisch lockeren Suite nicht durchgängig auf.

Da liegt ihr mit ihrer technischen Souveränität die
frühe Solosonate von György Ligeti von 1948/1953 besser. Es knattern die Finger, es zischt der Bogen. Tetzlaff setzt eine Energie frei, mit der es sich auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanzen ließe.

Gegensätzlich einzigartig wirken die Duos von Maurice Ravel (1922) und Zoltan Kodaly (1914). Gegensätzlich großartig arbeiten Donderer und Tetzlaff die manuellen Zumutungen und die mentalen Anforderungen heraus. Aus Ravels oft dünnem Liniengeflecht bauen sie Formen von beträchtlicher Ausdehnung und Effekt zusammen. Kodaly war selbst Cellospieler, was Tetzlaff natürlich genießt.

Zusammenspiel perfekt

Doch das Zusammenspiel inmitten der pentatonischen Motivbildungen, der folkloristischen Einschübe, dem augenzwinkernden Hin- und Herreichen der Führungsstimmen und den angeheizten Tänzen vollziehen sie perfekt.

Die seltene Duo-Form von Violine und Cello wird schon mal als Streichquartett, dem man die Mittelstimmen entwendet habe, belästert. Von wegen! Wer in Warfleth zugehört hat, wird nie von halbem Kram sprechen.

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