Hamburg Die „Große Freiheit Nr.7“ ist zurück. Das St. Pauli Theater in Hamburg hat den Klassiker auf seine Bühne geholt und ist dafür vom Premierenpublikum jetzt mit viel Beifall gefeiert worden.

Bravo-Rufe erntete Hauptdarsteller Volker Lechtenbrink als alternder Ex-Matrose, den in Helmut Käutners Film von 1944 Hans Albers (1891–1960) spielte. Der berühmteste St.-Pauli-Stoff, ein legendärer Film und ein Star wie Lechtenbrink – das allein könnte die Produktion in dem Haus nahe der echten Großen Freiheit zum Publikumsrenner werden lassen.

Auf der Reeperbahn

Erzählt wird die Geschichte eines als Stimmungssänger in einem Vergnügungslokal auf der Großen Freiheit gestrandeten Seemanns, der sich in das junge Mädchen Gisa verliebt und mit ihr in den Hafen der Ehe schippern will. Hausherr und Regisseur Ulrich Waller macht daraus eine Revue mit viel Musik – allerdings bleibt weniger Raum für Charaktere mit Tiefgang.

Das fünfköpfige Orchester (Musikalische Leitung: Matthias Stötzel) spielt schwungvoll die bekannten Schlager und Chansons aus dem Film wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „Beim ersten Mal, da tut’s noch weh“ und „La Paloma“.

Betont bunt-naive Animationsbilder im Hintergrund der Bühne zeigen Schauplätze wie den Hafen und das Innere des Lokals „Hippodrom“. Sie sorgen für eine etwas seichte Note in der Aufführung, die eher auf Unterhaltsamkeit denn auf den melancholischen Zauber des Films setzt.

Mal in Lederjacke, mal im piekfeinen 40er-Jahre-Nadelstreifenanzug gibt Lechtenbrink den Johnny Kröger, der in der Liebe zu Gisa neue Hoffnung schöpft. Doch das Herz des von Victoria Fleer anrührend dargestellten Mädchens schlägt für den forschen Hafenarbeiter Willi (Patrick Heyn). Sechs weitere Schauspieler sind mit von der Partie, etwa Anne Weber als „Hippodrom“-Chefin und Brigitte Janner in mehreren Rollen.

Auch an die Entstehungsgeschichte des Films, der 1943 gedreht worden war, wird erinnert. „Regisseur Käutner, der auch das Drehbuch schrieb, wollte eine Ballade über die Große Freiheit, Seeleute und leichte Mädchen“, erzählt Lechtenbrink gleich nach der Pause in der knapp zweieinhalbstündigen Vorstellung. „Großer scharfer Protest im Propagandaministerium, Dr. Goebbels meinte, so etwas gebe es in Wirklichkeit gar nicht.“ Dem Titel musste eine Hausnummer hinzugefügt und der Vorname der Hauptfigur von Johnny in Hannes geändert werden.

Auch mal Freddy Quinn

Als der Film fertig gedreht war, wurde er verboten, kam erst nach dem Ende des Weltkriegs in die Kinos. „Zu dem Zeitpunkt stand auf St. Pauli jedes dritte Haus nicht mehr“, erinnert Lechtenbrink, bevor er wieder in seine Rolle schlüpft. Die hatte auch Freddy Quinn mal übernommen – in Karl Vibachs Musical, das im ebenfalls an der Reeperbahn gelegenen Operettenhaus rund 40 Jahre nach dem Film Premiere hatte.

„Die Lieder im Stück sind figgeliinsch, wie der Hamburger sagen würde, die sind gar nicht so einfach, wie sie wirken“, hatte Lechtenbrink vorweg am Rande der Proben erzählt. Anders als Albers hängt er sich ein Akkordeon lediglich für ein Lied um: „Akkordeon spielen kann ich nicht, konnte Hans Albers aber auch nicht.“

Für Lechtenbrink ist Albers’ Paraderolle eine „Traumrolle“ – und zumindest eine Rechnung ging am Ende auf: „Wenn bei ,Auf der Reeperbahn nachts um halb eins’“ keiner mitsingt, haben wir etwas falsch gemacht“, hatte er vorher erklärt –- die Hamburger Premierengäste enttäuschten ihn nicht.

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