BREMEN „Dein ist mein ganzes Herz“ – welche verliebte Frau ließe sich nicht gern mit diesen Worten umschmeicheln, wenn sie dazu noch von einem Tenor gesungen werden. Die Arie aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár erfordert eine Stimme, die auch bei Puccini und Verdi zu Hause ist.

Stars des Abends

Diese Voraussetzung erfüllt Luis Olivares Sandoval durchaus. Und er kostete die überrumpelnde Wirkung der Arie bei der Premiere im Theater am Goetheplatz in Bremen mit kraftvollem Tenor voll aus. Trotzdem war seine Leistung insgesamt etwas unausgeglichen. Die Höhe wurde mitunter recht eng, und die Übergänge zwischen Forte und Piano glückten nicht immer gut.

Als Lisa stellte sich Peggy Steiner vor. Sie verfügt über einen kräftigen Sopran, der aber zu hartem Klang neigt. Und manche Arie forcierte sie zu Lasten der Gesangslinie. Darstellerisch war sie eher die mondäne Kratzbürste mit Reitpeitsche. Hier wurde nicht ihre Seele verletzt, sondern höchstens ihr Stolz.

Ihr Verehrer Graf Gustl wurde von Christian-Andreas Engelhardt gesungen, dessen Tenor aber in der Partie wenig Glanz entfaltete. Musikalisch schnitt Steffi Lehmann als Mi, der Schwester Sou-Chongs, mit gut sitzendem Sopran am besten ab.

Die Stars des Abends aber waren Dirigent Florian Ziemen und die Bremer Philharmoniker. Ziemen unterstrich die raffinierte Instrumentation. Dabei tauchte er keineswegs alles nur in Schönklang, sondern arbeitete die in der Musik auch vorhandenen Härten heraus. Den dramatischen Momenten gab er opernhaftes Format. Eine rundum geglückte Wiedergabe.

Das kann man von der Inszenierung durch Lukas Langhoff leider nicht sagen. Seine „Zutaten“ waren oft nur bemüht. Gleich zu Beginn, wenn eine Wandlampe immer wieder herunterfällt und ein verzweifelter „Bühnenarbeiter“ sie wieder befestigen will, wird dieser Gag zu sehr überstrapaziert. Gut gelöst war der Übergang vom ersten zum zweiten Akt: Ein Zwischenvorhang wird hochgezogen und gibt den Blick auf eine Landschaft mit einer an Mao erinnernden Statue frei (Bühne von Alexander Wolf).

Kulturelle Gegensätze

Langhoff versuchte, die Figuren zu karikieren. Das Ergebnis war allerdings selten witzig – man fühlte sich in die albernen Niederungen heutiger Comedians versetzt. Guido Gallmann muss den Onkel Tschang als skurrile Militär-Karikatur geben und durch ein Megafon sprechen. Mis Körpersprache beschränkt sich auf übertrieben exaltierte Bewegungen.

„Das Land des Lächelns“ handelt auch von Kulturgegensätzen. Langhoff greift das auf, indem er Kinder einen Text auf Türkisch und Deutsch sprechen lässt. Lisa wird in ihrem Kummer von Frauen aus aller Herren Länder getröstet.

Dazu gibt es immer wieder tänzerische Einlagen von Jugendlichen in weißer Sportkleidung – gut gemeint, aber doch irgendwie ein Fremdkörper. Romantik und große Gefühle blieben in Langhoffs Inszenierung weitgehend ausgespart, ohne dass er etwas Gleichwertiges dagegen setzen konnte.

Der Regisseur hat sich dem Publikum nicht gezeigt. Er wird seine Gründe gehabt haben.

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