WIEN Peter Wawerzinek hat den 34. Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. „Spuren einer Lebensverletzung“, so umschrieb die Literaturkritikerin Meike Feßmann am Sonntag Wawerzineks Werk „Rabenliebe“, mit dem der Autor zum Vorlesemarathon angetreten war.

Der 1954 in Rostock geborene Schriftsteller überzeugte mit den berührenden Erinnerungen an seine Kindheit in einem Waisenhaus in der ehemaligen DDR nicht nur die von Burkhard Spinnen geleitete Fachjury, sondern auch die Zuhörer, die ihm zusätzlich per Internetabstimmung den Publikumspreis verliehen. „Peter Wawerzineks Prosa ist große Literatur“, lobte Feßmann.

Der von der Stadt Klagenfurt gestiftete Hauptpreis, der mit 25 000 Euro dotiert ist, gilt als eine der wichtigsten Literaturehrungen im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der in Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1926–1973) benannt. In diesem Jahr waren bei dem dreitägigen Vorlesemarathon 14 Teilnehmer am Start, darunter neun Deutsche, drei Österreicher und zwei Schweizer. Es gab viel Lob, aber auch schroffe Kritik.

Mit 55 Jahren ist Wawerzinek der bisher älteste Preisträger der renommierten Ehrung. 1954 als Peter Runkel in der ehemaligen DDR geboren, flüchteten seine Eltern in den Westen und ließen den Vierjährigen zurück. Nach zehn Jahren in staatlichen Kinderheimen wurde er schließlich adoptiert und wuchs an der Ostsee auf. In seinem autobiografischem Buch, das im Herbst 2010 bei Galiani Berlin erscheinen wird, geht es um die Nöte eines Kindes, das von seinen Eltern verlassen wurde. Der heute in Berlin lebende Schriftsteller übte viele Berufe aus, nachdem er sein Kunststudium abgebrochen hatte. Unter anderem war er Totengräber und Tischler, Performance-Künstler und Stegreifpoet. Den Preis nahm er am Sonntag sichtlich bewegt entgegen.

Den mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis erhielt die Schweizerin Dorothee Elmiger für ihren Text „Einladung an die Waghalsigen“. Sie war Wawerzinek zuvor bei der Stichwahl im zweiten Wahlgang mit drei zu vier Jurystimmen unterlegen. Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an die in Berlin lebende Judith Zander für ihren Romanauszug „Dinge die wir heute sagten“. Der in Gera geborene und in Dublin lebende Aleks Scholz bekam für seinen Text „Google Earth“ den mit 7000 Euro dotierten Ernst-Willner-Preis.

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