BERLIN Vor acht Monaten nahm Berlins bekannteste Jugendrichterin sich das Leben – nun beleuchtete die ARD in einer Dokumentation Kirsten Heisigs Kampf gegen Gewalt und die persönlichen Hintergründe ihres Todes. „Tod einer Richterin – Auf den Spuren von Kirsten Heisig“, hieß der 45 Minuten lange WDR-Film am Mittwochabend in der ARD, in dem Kollegen, Weggefährten und Politiker wie Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) zu Wort kamen.

Kazim Erdogan von der Türkischen Männergruppe Neukölln sagt über die Nachricht von ihrem Tod Anfang Juli 2010: „Ich habe eine Stunde geweint.“ Gibran, einer der von ihr verurteilten, kriminellen Jugendlichen aus Neukölln, meint dagegen: „Wir haben sie gehasst. Sie war für uns schlimmer als der Teufel.“

Heisig wurde auch in Richterkreisen abgelehnt, man neidete ihr die Prominenz und wies die Kritik am schwerfälligen Justizsystem zurück. Kurz nach dem Tod der 48-Jährigen erschien ihr Buch „Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“ – und wurde umgehend zum Bestseller. Der soll nun verfilmt werden: Filmemacher Christian Wagner sicherte sich, wie jetzt bekannt wurde, bereits während der Berlinale die Rechte für einen Spielfilm, der zusammen mit dem NDR realisiert wird.

Kirsten Heisigs Energie zeigte sich nicht nur in dem von ihr nebenher verfassten Buch. Andere Kollegen bewunderten ihre immer wieder neuen Ansätze. Heisig wollte Kriminalität und Gewalt nicht nur bestrafen, sondern schon ihre Entstehung bekämpfen. In vor ihrem Tod entstandenen Filmaufnahmen, die nun am Mittwoch gezeigt wurden, beschreibt sie die Brutalität der Jugendgangs und ihren Einsatz für die Opfer. Ausführlich schildern Begleiter ihren kräfteraubenden Einsatz. Buschkowsky: „Sie war ein Mensch ohne Ausschalter.“

Der Film zweifelt weder an der Selbsttötung, noch geht er näher auf Verschwörungstheorien um den Tod ein. Nicht zu Wort kommen die Eltern und der frühere Mann Heisigs; sie wollten nicht vor der Kamera sprechen.

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