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OLDENBURG Der Frankfurter Kunsthistoriker und Sammler Walter Müller-Wulckow erhielt 1921 den Auftrag, in Oldenburg ein staatliches Kunstmuseum zu gründen. Ein respektabler Fundus an klassischer Kunst war vorhanden, aber der junge Museumsdirektor sah die Chance, der Bevölkerung im Nordwesten auch der Moderne nahezubringen; schließlich hatten die Brückemaler hier schon ausgestellt.

Müller-Wulckow leitete den zweiten Aufbruch in die Moderne ein, Sie war am 22. August 1937 mit der Ankunft der Kommission für „Entartete Kunst“ beendet. Die Ausstellung des Landesmuseums Oldenburg stellt nun das Wirken von Müller-Wulckow ins Zentrum, denn seine Ankäufe und Erwerbungen durch Stiftung und Schenkung bestimmten den Aufbruch. Seine Geschicklichkeit, Bilder zu verstecken, bewahrte manches Werk vor der Aktion „Entartete Kunst“.

Aus den nicht immer leicht gegen den Willen einer Museumskommission erworbenen Kunstwerken ist eine umfangreiche und informative Ausstellung entstanden. Eine wichtige Rolle hat dabei die von Ernst Beyersdorff auch 1921 gegründete und 1933 wieder aufgelöste „Vereinigung für junge Kunst“ gespielt, die nicht nur moderne Veranstaltungen mit namhaften Autoren und Tänzerinnen organisiert hatte, sondern auch dem Museum zeitgenössische Kunst verschaffte, ohne dass dessen Etat belastet wurde. Der Vereinigung sind im Schloss mehrere Räume gewidmet.

Insgesamt ermöglicht die sehenswerte Schau nicht nur die Wiederbegegnung mit vielen liebgewonnenen Bildern des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit mit Schwerpunkten bei Werken von Erich Heckel, Emil Nolde, Christian Rohlfs und Franz Radziwill. Ein weiteres Beispiel ist das bekannte Bild Max Beckmanns vom Wangerooger Strand – das einzige Bild dieses Strandes von Weltniveau, gemalt in Frankfurt und bewahrt in Oldenburg. Solche Geschichten weiß Rainer Stamm, der jetzige Hausherr, dutzendfach zu erzählen.

Die Schau verweist wiederholt auf Werke aus dem Besitz des Museums oder des Sammlers Müller-Wulckow, die nur selten gezeigt worden waren. So die schlichten Bauhausmöbel von Ludwig Mies van der Rohe und Marcel Breuer, die kaum gebraucht worden waren und sich darum noch im Originalzustand befinden. Sie bilden einen weiteren Lichtblick in der Ausstellung ebenso wie Fotografien der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts von Aenne Biermann und Albert Renger-Patzsch.

Werke und Dokumente aus dem Nachlass von Müller-Wulckow standen seit zwei Jahrzehnten in Kartons im Archiv und werden jetzt erstmals präsentiert, was bedeutet, dass manche Zusammenhänge mit dem Erwerb von Kunstwerken, aber auch mit der verhängnisvollen Aktion „Entartete Kunst“ besser durchleuchtet werden können.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Oldenburg frühzeitig einen bemerkenswerten Fundus an moderner Kunst besaß und sich gegenüber anderen Städten in dieser Hinsicht nicht verstecken muss.

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